Im Kampf gegen die zunehmende Cyberkriminalität in Niedersachsen plant das Land, die Zahl der Ermittlungsspezialisten weiter zu erhöhen. Innenministerin Daniela Behrens (SPD) kündigte an, dass für das Jahr 2027 zusätzliche Experten für die Cyberforensik eingestellt werden sollen. Bereits im laufenden Jahr werde die Ermittlungskompetenz mit 20 neuen Spezialisten in verschiedenen Bereichen gestärkt. Diese Maßnahmen sind eine Reaktion auf die hohen Schäden, die durch digitale Straftaten verursacht werden.
Schäden durch Cybercrime im dreistelligen Millionenbereich
„Wie unser Leben insgesamt verlagert sich auch die Kriminalität immer stärker in den digitalen Raum und richtet dort große Schäden an“, sagte Behrens anlässlich ihrer Sommerreise, bei der sie Cybercrime-Dienststellen des Landeskriminalamts (LKA) und der Polizeidirektion Hannover besuchte. Die Ministerin verwies darauf, dass im vergangenen Jahr bei Straftaten, bei denen das Internet als Tatmittel genutzt wurde, ein Schaden von 217,5 Millionen Euro entstanden sei. Dieser Betrag verdeutlicht das Ausmaß der Bedrohung durch Cyberkriminalität in Niedersachsen.
Zur Einordnung: Unter Cyberkriminalität werden typische Deliktfelder wie das Ausspähen und Abfangen von Daten, Computerbetrug oder Sabotage zusammengefasst. Diese Straftaten nehmen nicht nur in Niedersachsen zu, sondern sind ein bundesweites Phänomen. Die Landesregierung reagiert darauf mit einer Aufstockung der personellen Ressourcen in der Strafverfolgung.
Leichter Rückgang der Fallzahlen, aber hohes Niveau
Insgesamt wurden 2025 in Niedersachsen rund 30.700 solcher Straftaten bekannt. Das Ministerium meldete einen leichten Rückgang um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Trotz dieser minimalen Abnahme bleibe das Niveau gleichbleibend hoch, hieß es aus dem Ministerium. Die Polizei geht davon aus, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt, da viele Unternehmen und Privatpersonen Cyberangriffe nicht anzeigen.
Die Investitionen in Forensik-Experten zielen darauf ab, die Aufklärungsquote zu erhöhen und die Täter effektiver verfolgen zu können. Die neuen Spezialisten sollen unter anderem für die Analyse digitaler Spuren, die Sicherung von Beweismitteln und die Zusammenarbeit mit internationalen Behörden eingesetzt werden. Die Digitalisierung der Kriminalität erfordert eine ständige Anpassung der Ermittlungsmethoden.
Bereits 20 zusätzliche Experten im Jahr 2026
Schon für das laufende Jahr 2026 hat die Landesregierung 20 zusätzliche Stellen für die Bekämpfung der Cyberkriminalität geschaffen. Diese verteilen sich auf verschiedene Fachbereiche, darunter die Analyse von Schadsoftware, die Verfolgung von Online-Betrugsnetzwerken und die Prävention von Angriffen auf kritische Infrastrukturen. Die Einstellungen erfolgen nach und nach, da qualifizierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt rar sind.
Die SPD-Politikerin betonte die Bedeutung dieser Maßnahmen für die Sicherheit der Bürger und Unternehmen in Niedersachsen. „Wir dürfen nicht nachlassen im Kampf gegen Cyberkriminelle, die mit immer raffinierteren Methoden vorgehen“, so Behrens. Die verstärkte Personaldecke soll es den Ermittlern ermöglichen, komplexe Fälle schneller zu bearbeiten und auch kleinere Delikte zu verfolgen, die oft als Einstieg in die Kriminalität dienen.



