Pilzsuche in Berlin & Brandenburg: Saison derzeit „tote Hose“
Pilzsuche in Berlin und Brandenburg derzeit tote Hose

Trotz vereinzelter Funde erleben Pilzsammler in Berlin und Brandenburg derzeit eine enttäuschende Saison. Die Sommerpilze bleiben wegen der anhaltenden Trockenheit und Hitze weitgehend aus. Wolfgang Bivour, Vorsitzender des Brandenburgischen Landesverbandes der Pilzsachverständigen (BLP e.V.), bringt es auf den Punkt: „Die Saison ist schlecht“, und vielerorts herrsche „tote Hose“.

Zu heiß und zu trocken: Pfifferlinge und Co. machen Pause

Normalerweise könnten jetzt Pfifferlinge in den Wäldern gefunden werden, doch die Witterung macht den Pilzen zu schaffen. „Pilze mögen es feucht und nicht zu heiß“, erklärt Bivour. Selbst nach einem Regenschauer sei „die Feuchtigkeit bei 30 Grad auch wieder schnell raus“. Temperaturen von 35 oder 40 Grad, so der Experte, „tut keinem Pilz gut“.

Dabei gelten Pfifferlinge als vergleichsweise robust: Sie kommen in der Regel von Ende Mai bis in den November hinein vor, sind relativ temperaturtolerant und können lange auf Feuchtigkeit warten. Doch auch sie stoßen an ihre Grenzen. „Was zu wenig ist, ist zu wenig“, sagt der Pilzsachverständige. Im Juli sei „eigentlich gar nichts los“ gewesen.

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So reagieren Pilze auf Regen

Das Pilzmyzel – das unterirdische Netzwerk der Pilze – kann selbst kleinste Feuchtigkeitsmengen aufnehmen, besonders wenn der Boden etwa von Laub bedeckt ist. Dort entstehen auch die Fruchtkörperanlagen, die bei günstiger Witterung nach oben wachsen. Wer nach einer längeren Trockenperiode kräftigen Regen erlebt, muss sich jedoch gedulden: In der Regel dauert es etwa zwei bis drei Wochen, bis sich Pilze zeigen.

Einen Hoffnungsschimmer gab es im Juni: Der Schwefelporling hatte einen sehr guten Schub, auch die Pfifferlinge starteten gut. Doch dann kehrte die Trockenheit zurück. Für Pilze wie Rotfußröhrlinge oder Hexenröhrlinge, die ebenfalls im Sommer erscheinen, ist es aktuell zu heiß.

Regionale Unterschiede und Tipps vom Experten

Die Lage ist nicht überall gleich. Im Norden Brandenburgs, etwa in der Uckermark, sowie in der Lausitz gibt es vereinzelte Funde. Dennoch rät Bivour: „Es lohnt sich nicht, in ganz Brandenburg auf Pilzpirsch zu gehen.“ Auch in Berlin sind die Funde regional stark begrenzt. Wer Pilze suchen möchte, sollte sich laut dem Experten vorab über die Niederschlagsmengen informieren.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war der Juli in Berlin und Brandenburg ungewöhnlich warm. Während in Berlin überdurchschnittlich viel Regen fiel, war es in Brandenburg etwas zu trocken. Diese Unterschiede erklären die punktuellen Vorkommen.

Hauptsaison im Herbst – Lungenseitling als Spezialität

Die meisten Pilze erscheinen erst im Herbst: Die Hauptsaison läuft von September bis Oktober. Holzbewohner wie Austernseitlinge, die ihre Feuchtigkeit aus dem Holz ziehen und damit unabhängiger von Niederschlägen sind, gibt es eher im Herbst oder Winter. Im Hochsommer wächst dagegen der mit dem Austernseitling verwandte Lungenseitling – aber nur für Kenner. „Das ist was für Spezialisten, die wissen, wo sie hingehen müssen“, sagt Bivour. Die Fruchtkörper wachsen schnell, vergehen bei der Hitze jedoch ebenso rasch.

Bis zur Haupterntezeit bleibt also nur Geduld. Wer jetzt in die Wälder geht, sollte nicht mit vollen Körben rechnen – aber die Vorfreude auf den Herbst kann die Wartezeit versüßen.

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