Viele queere Menschen in Berlin fühlen sich zunehmend unsicher. Bei der „queeren Wahlarena“ am Abend in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg forderten Vertreter der Landespolitik unter anderem eine stärkere Wertevermittlung an Schulen. Die Veranstaltung wurde vom Verein Berliner CSD e. V., dem Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg (LSVD) und dem „Tagesspiegel“ organisiert.
SPD-Spitzenkandidat Krach: „Teilweise Rückschritte“
SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach betonte, dass bereits ab der ersten Klasse unterrichtet werden sollte, dass in einer offenen Gesellschaft kein Platz für Queerfeindlichkeit sei. „Wir haben teilweise Rückschritte, das müssen wir verhindern“, sagte er mit Blick auf die Situation für queere Menschen in Berlin. Nötig sei eine klare Haltung, zum Beispiel in der Öffentlichkeit keine queerfeindlichen Sprüche zu akzeptieren.
Linke-Chef Schirmer: Stimmung verroht
Linke-Parteivorsitzender Max Schirmer erklärte, er sei überzeugt, dass die Stimmung in Berlin verrohe. Um dagegenzuhalten, reiche es nicht, Haltung zu zeigen oder ein paar Maßnahmen zu beschließen. Nötig sei ein Gesamtkonzept.
CDU-Kandidat Evers: Nollendorfkiez unsicherer geworden
Der neue CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers sagte, wer sich im Nollendorfkiez mit der Nachbarschaft unterhalte, erfahre von negativen Veränderungen mit Blick auf die Sicherheit queerer Menschen. Er forderte eine Wertevermittlung in der Schule von Anfang an, die dem entgegenwirke. Wichtig sei, dies bereits bei der Ausbildung von Lehrkräften zu berücksichtigen.
Grünen-Fraktionsvorsitzende Jarasch: Nachholbedarf in Schulen, Polizei und Justiz
Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch sieht ebenfalls Nachholbedarf in den Schulen. Aber auch bei Polizei und Justiz müsse sich mit Blick auf Queerfeindlichkeit noch einiges tun, forderte sie. Wichtig sei auch, genügend Geld für Projekte zum Beispiel gegen homophobe Gewalt zur Verfügung zu stellen. Genau das habe der schwarz-rote Senat nicht getan – er habe an solchen Stellen sogar willkürlich gekürzt.
Queerbeauftragter: Offene Gesellschaft hat versagt
Berlins Queerbeauftragter hatte zuvor kritisiert: „Wir haben als offene Gesellschaft an vielen Stellen versagt.“ Die Veranstaltung zeigte, dass alle Parteien Handlungsbedarf sehen, aber unterschiedliche Ansätze verfolgen. Einigkeit herrschte darüber, dass die Sicherheit queerer Menschen in Berlin verbessert werden muss.



