Im ersten Halbjahr 2026 haben Bundespolizisten in Zügen und auf Bahnhöfen in Sachsen-Anhalt rund 7.800 Straftaten registriert. Im gesamten vergangenen Jahr waren es etwa 13.850 Delikte. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Die Zahlen stammen aus der Polizeilichen Eingangsstatistik der Bundespolizei und umfassen alle bekannt gewordenen Vorgänge.
Die Statistik erfasst den Anfangsverdacht, also den Moment, in dem die Bundespolizei von einer möglichen Straftat Kenntnis erlangt. Ob es später zu einer Anklage oder Verurteilung kommt, ist darin nicht abgebildet. Die Liste der Delikte reicht von Sachbeschädigungen über Diebstähle bis hin zu Körperverletzungen. Schwarzfahren, juristisch als Leistungserschleichung bezeichnet, wird ebenfalls als Straftat geführt und macht einen Teil der Fälle aus.
Rechnerisch bedeutet die Zahl für das erste Halbjahr mehr als 40 Straftaten pro Tag. Sie verteilen sich auf Bahnsteige, Züge, Wartehäuschen und Bahnhofsparkplätze. Besonders betroffen sind stark frequentierte Orte und die Abendstunden, in denen sich viele Reisende begegnen.
Halle und Magdeburg sind die Brennpunkte
Im regionalen Vergleich sticht der Hauptbahnhof Halle hervor. Dort wurden im ersten Halbjahr gut 800 Straftaten erfasst. Der Hauptbahnhof Magdeburg folgt mit etwas mehr als 700 Delikten. Auf dem Hauptbahnhof Stendal zählte die Bundespolizei knapp 400 Straftaten, in Dessau fast 120. Die übrigen Fälle verteilen sich auf viele weitere Stationen im Land.
Die beiden Städte Halle und Magdeburg sind die größten Verkehrsknotenpunkte des Landes. Ein höheres Fahrgastaufkommen und mehr Fernverkehrshalte bedeuten automatisch mehr Gelegenheiten für Straftaten. Zudem konzentrieren sich soziale Probleme wie Sucht und Wohnungslosigkeit häufig auf zentrale Bahnhofsviertel. Das erklärt einen Teil des Gefälles, ohne dass damit jede Tat verharmlost werden soll.
Die Jahresbilanz zeigt eine Schwankung, aber zuletzt einen Anstieg. Für 2023 wurden etwa 12.350 Straftaten angezeigt, für 2024 rund 11.450. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf ungefähr 13.850. Im ersten Halbjahr 2026 liegt das Niveau erneut hoch. Die Linke errechnet auf dieser Basis für das Gesamtjahr einen Wert von rund 16.000 Straftaten – das wäre ein neuer Höchststand.
Eva von Angern: „Mehr als 40 Straftaten pro Tag“
Eva von Angern, Chefin der Linken-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt, bewertet die Entwicklung als alarmierend. „Jeden Tag werden an Bahnhöfen und in Zügen im Land mehr als 40 Straftaten begangen“, sagte sie. „Setzt sich dieser fatale Trend fort, landen wir am Jahresende bei rund 16.000 Straftaten.“ Dies entspräche einer Steigerung um mehr als 35 Prozent gegenüber 2024.
Von Angern forderte ein Umdenken in der Verkehrspolitik. „Die Bahn sollte sicher, sauber, pünktlich und günstig sein“, erklärte sie. „Bahnhöfe sollten Orte der Mobilität und der Begegnung sein, die für jeden zu jeder Zeit sicher und attraktiv sind. Vielfach gilt das Gegenteil.“ Die hohe Zahl an Delikten schrecke Reisende ab und beschädige das Vertrauen in den öffentlichen Nah- und Fernverkehr.
Künftige Landesregierung gefordert
Nach Ansicht der Linken muss die nächste Landesregierung einen Schwerpunkt auf die Sicherheit im Bahnverkehr legen. „Ziel muss es sein, dass Mobilität auf der Schiene attraktiver wird“, so von Angern. „Dafür muss es gelingen, Straftaten sehr deutlich zu reduzieren und sowohl die Bahn als auch den ÖPNV deutlich attraktiver zu machen.“ Die Fraktion will die Entwicklung der Zahlen weiter beobachten und im Landtag thematisieren.
Die Bundespolizei bleibt für die Sicherheit auf Bahnanlagen zuständig. Sie bestreift Bahnhöfe und Strecken, setzt mobile und stationäre Kameras ein und kooperiert mit der Landespolizei. Ob die steigenden Zahlen auf eine höhere Kriminalität oder auf mehr Anzeigen und Kontrollen zurückgehen, lässt sich anhand der Eingangsstatistik nur eingeschränkt beurteilen. Klar ist, dass das Sicherheitsgefühl vieler Fahrgäste leidet – unabhängig von der genauen Ursache.



