Wie südeuropäische Städte der Hitze trotzen – Lehren für den Norden
Südeuropäische Städte: Hitze bewältigen – was wir lernen

Während Mittel- und Nordeuropa bei 40 Grad ins Schwitzen geraten, sind solche Temperaturen in südeuropäischen Städten längst Alltag. Athen, Rom oder Barcelona haben über Jahrhunderte Strategien entwickelt, um extreme Hitze erträglich zu machen. Ein Blick in den Süden zeigt, welche Maßnahmen auch nördlicheren Metropolen helfen könnten.

Rom: Nasoni und nächtliche Sehenswürdigkeiten

In der italienischen Hauptstadt bewegen sich die Temperaturen im Sommer wochenlang um die 35 Grad. Die Bewohner flüchten im August in die Berge oder ans Meer – oder sie passen ihren Alltag an. Wer in der Stadt bleibt, geht möglichst wenig zu Fuß und verlegt Spaziergänge in die frühen Morgen- oder späten Abendstunden. Sehenswürdigkeiten wie das Kolosseum oder das Pantheon haben im August bis kurz vor Mitternacht geöffnet. Der Trevi-Brunnen, der tagsüber zwei Euro Eintritt kostet, ist nach 22 Uhr wieder kostenlos – Baden bleibt aber verboten.

Zur Abkühlung gibt es in Rom mehr als 2.000 sogenannte Nasoni, gusseiserne Trinkwasserbrunnen mit gebogenen Hähnen. Viele Einwohner stecken bei der aktuellen Hitze den Kopf darunter. Die Nasoni gibt es bereits seit anderthalb Jahrhunderten. Neuere Apparate auf vielen Plätzen spenden stilles und sprudelndes Wasser; eine App zeigt ihre Standorte an. Der Sprühnebel am Kolosseum bietet Touristen zusätzliche Erfrischung. Ein Besuch am Strand von Ostia ist mit der Vorortbahn für 1,50 Euro möglich, doch die Fahrt bei 35 Grad ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Freibäder gibt es in der Stadt vergleichsweise wenige, und im Tiber badet vernünftigerweise niemand.

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Athen: Arbeitsverbot und öffentliche Kühlräume

In griechischen Großstädten sind mehrtägige Hitzewellen mit über 42 Grad üblich. Die Menschen haben sich angepasst: Mittags gehen sie nur bei dringenden Notwendigkeiten auf die Straße, und fast alle Wohnungen verfügen über Klimaanlagen. Alkohol wird tagsüber kaum konsumiert; stattdessen gibt es an jedem Kiosk Halbliter-Wasserflaschen für 50 Cent. Im August flüchten die Städter in Scharen auf die Inseln.

Die Kommunen stellen während extremer Temperaturen öffentliche, klimatisierte Räume zur Verfügung – für Obdachlose, Menschen ohne Klimaanlage oder zur kurzen Erholung. Polizei und Hilfsorganisationen verteilen Trinkwasser an Obdachlose. Für Berufstätige im Freien, etwa auf Baustellen oder bei Lieferdiensten, ist die Arbeit ab einer vorhergesagten Temperatur von 40 Grad zwischen 13 und 17 Uhr verboten. Unternehmen sollen an heißen Tagen Homeoffice ermöglichen; wenn das nicht geht, müssen sie kaltes Trinkwasser, ausreichende Pausen und schattige, möglichst klimatisierte Arbeitsplätze bereitstellen.

Bukarest und Budapest: Kühle Oasen in Betonwüsten

In Rumäniens Hauptstadt Bukarest sind bis zu 40 Grad im Schatten keine Seltenheit. Die drückende Luft steht in den Betonschluchten der in einer Tiefebene gelegenen Stadt reglos, auch nachts nicht. Die Stadtverwaltung hat 71 öffentliche Institutionen und 200 Apotheken mobilisiert, die gratis klimatisierte Räume und Trinkwasser anbieten. An zentralen Plätzen sorgen Wassernebelanlagen für Abkühlung – auch wenn man sich in der Mittagshitze unterwegs befindet. Baden im Flüsschen Dâmbovița ist wegen Verschmutzung streng verboten.

Budapest bietet mehr Möglichkeiten: An Abschnitten der Donau ist Baden erlaubt, und die legendären Schwimmbäder haben bei großer Hitze länger geöffnet. Hunderte Trinkbrunnen sowie Wassernebelanlagen laden zum Duschen ein. Das Baden in regulären Springbrunnen bleibt verboten. Stattdessen besprüht die Kommune abends die Straßen: Per Satellit werden die Orte ermittelt, an denen der Asphalt aufgrund fehlender Grünflächen extrem glüht, und dort wird gezielt Wasser versprüht.

Barcelona und Madrid: Klimaschutzräume und Superblöcke

Barcelona hat ein Netz von mehr als 500 sogenannten Klimaschutzräumen („refugios climáticos“) eingerichtet. Dabei handelt es sich um klimatisierte öffentliche Gebäude wie Bibliotheken, Museen, Schulen, Pfarrhäuser und Bürgerzentren, die sich freiwillig beteiligen. Die katalanische Metropole setzt zudem auf „Superilles“ (Superblöcke): verkehrsberuhigte Häuserblocks mit viel Grün, schattenspendenden Bäumen und vielen Sitzgelegenheiten.

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Madrid erweitert ebenfalls sein Angebot an klimatisierten Aufenthaltsräumen, Trinkwasserstellen, Wasserspielen und Sprühnebelanlagen auf stark frequentierten Plätzen. Während Hitzeperioden bleiben öffentliche Einrichtungen länger geöffnet, um vor allem älteren Menschen und anderen gefährdeten Gruppen Schutz zu bieten.

Traditionelle Alltagsanpassungen: Siesta und leichte Kost

Der Alltag in südlichen Städten wie Sevilla, Madrid oder Barcelona ist traditionell an die Sommerhitze angepasst. Das Leben verlagert sich in die frühen Morgen- und späten Abendstunden; viele Geschäfte schließen mittags für mehrere Stunden. In Straßencafés sorgen Wasservernebler für etwas Abkühlung, und viele Plätze werden von großen Sonnensegeln beschattet. Auf den Tisch kommen im Sommer häufig kalte Gerichte wie Gazpacho (kalte Gemüsesuppe aus Tomaten, Gurken, Paprika und Olivenöl) oder Salmorejo (dickflüssigere kalte Tomatencreme). Leichtes Essen macht die Hitze erträglicher – ein Tipp, der auch für Mittel- und Nordeuropäer gilt.

Die südeuropäischen Städte zeigen: Hitze ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Lebensweise und der öffentlichen Infrastruktur. Von den Nasoni Roms bis zu den Superblöcken Barcelonas – viele Maßnahmen lassen sich auf andere Regionen übertragen.

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