Jens Spahns Leihmutterbaby, das in den USA geboren wurde, sorgt in Deutschland für hitzige Debatten. In den Vereinigten Staaten hingegen wäre der Zank um Pro und Contra kaum denkbar. Dort ist die Praxis weitgehend legal – und ein Drittel aller Eltern kommt extra aus dem Ausland, um eine Leihmutter zu nutzen.
Leihmutterschaft in den USA: Ein lukrativer Markt
In den USA ist Leihmutterschaft in den meisten Bundesstaaten erlaubt, mit Ausnahme von Nebraska und Michigan. Der Markt ist hochprofessionell: Agenturen vermitteln Leihmütter, die für eine Schwangerschaft zwischen 30.000 und 50.000 US-Dollar erhalten, plus medizinische Kosten und Versicherung. Hinzu kommen Anwaltskosten für die vertragliche Regelung der Elternrechte. Insgesamt können die Kosten für ein Leihmutterbaby in den USA leicht 100.000 bis 150.000 US-Dollar übersteigen.
Internationale Nachfrage treibt das Geschäft
Etwa ein Drittel der Klienten, die Leihmutterschaft in den USA in Anspruch nehmen, kommt aus dem Ausland – darunter viele Deutsche, Chinesen und Australier. Grund ist die rechtliche Klarheit: In den USA wird die beabsichtigte Mutter oder der beabsichtigte Vater von Geburt an als rechtlicher Elternteil anerkannt, sofern ein Gerichtsbeschluss vorliegt. Das erspart spätere Adoptionsverfahren. „Die USA sind das Land der Wahl für Leihmutterschaft, weil das Rechtssystem transparent und verlässlich ist“, sagt Dr. Sarah Johnson, Expertin für Reproduktionsmedizin an der University of California.
Deutsche Debatte: Zwischen Ethik und Pragmatismus
In Deutschland ist Leihmutterschaft dagegen verboten – nach § 1 des Embryonenschutzgesetzes macht sich strafbar, wer eine Leihmutter vermittelt oder die Befruchtung einer Eizelle für eine Leihmutter durchführt. Auch die Leihmutter selbst kann bestraft werden. Ausnahmen gibt es nicht, selbst wenn die beabsichtigten Eltern aus dem Ausland kommen. Der Fall Spahn hat die Diskussion neu entfacht: Befürworter fordern eine Legalisierung, um Kinderwünschen zu helfen; Gegner warnen vor Ausbeutung von Frauen und Kommerzialisierung der Fortpflanzung.
Politik und Prominenz: Spahn im Kreuzfeuer
Jens Spahn, CDU-Politiker und ehemaliger Gesundheitsminister, wurde gemeinsam mit seinem Ehemann Daniel Funke Vater eines Sohnes, der von einer Leihmutter in den USA ausgetragen wurde. Spahn hatte sich in der Vergangenheit gegen Leihmutterschaft ausgesprochen – ein Widerspruch, der ihm Kritik einbrachte. „Er war dagegen, bevor er dafür war“, kommentierte die Süddeutsche Zeitung. Spahn selbst verteidigt sich: „Das ist eine private Entscheidung, die wir sehr bewusst getroffen haben. Wir lieben unser Kind und werden alles dafür tun, dass es ihm gut geht.“
Rechtliche Fallstricke für deutsche Eltern
Deutsche Paare, die in den USA eine Leihmutter nutzen, stehen nach der Rückkehr vor rechtlichen Hürden. Das Kind hat zwar durch die Geburt in den USA die amerikanische Staatsbürgerschaft, aber das deutsche Recht erkennt die Leihmutter als rechtliche Mutter an. Um die Elternrechte zu erlangen, müssen die beabsichtigten Eltern eine Adoption durchführen – ein langwieriger Prozess, der bis zu zwei Jahre dauern kann. „Viele Familien unterschätzen den bürokratischen Aufwand“, erklärt Anwältin Maria Schmidt, die auf Familienrecht spezialisiert ist. „Sie müssen nachweisen, dass die Leihmutter freiwillig gehandelt hat und nicht bezahlt wurde – was faktisch oft unmöglich ist, weil sie ja doch eine Aufwandsentschädigung erhalten hat.“
Gesellschaftliche Akzeptanz: USA vs. Deutschland
In den USA wird Leihmutterschaft gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Prominente wie Kim Kardashian und Jimmy Fallon haben öffentlich über ihre Leihmutterkinder gesprochen. In Deutschland ist das Thema dagegen tabubehaftet. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab 2025, dass 58 Prozent der Deutschen Leihmutterschaft ablehnen, nur 22 Prozent befürworten sie. Die Debatte um Spahn zeigt: Die Fronten sind verhärtet. Während die einen von „Baby-Kauf“ sprechen, sehen andere darin eine Chance für kinderlose Paare. Die USA indes schauen verwundert auf den deutschen Streit – und machen weiter Geschäft mit dem Kinderwunsch.



