Streit um 140.000 Euro teuren Instagram-Bogen für Straßburger Weihnachtsmarkt
Streit um 140.000 Euro teuren Instagram-Bogen für Weihnachtsmarkt

Mitten im Hochsommer sorgt ein Projekt in Straßburg für erhitzte Gemüter: Der berühmte Eingangsbogen zum Weihnachtsmarkt soll erneuert werden – und das für stolze 140.000 Euro. Die Stadtverwaltung will das Wahrzeichen damit „instagramtauglicher“ machen, doch die hohen Kosten stoßen bereits jetzt auf heftige Kritik.

Warum der Bogen erneuert werden soll

Der bisherige Bogen ist laut Stadtverwaltung in die Jahre gekommen. „Die derzeitige Installation ist in die Jahre gekommen, und Reparaturen werden immer häufiger. Es ist Zeit, sie zu erneuern“, sagte der erste stellvertretende Bürgermeister Mathieu Cahn der Lokalzeitung „Les Dernières Nouvelles d'Alsace“. Bereits im Frühjahr habe man eine Ausschreibung veröffentlicht, um dem Wahrzeichen von „Straßburg, der Weihnachtshauptstadt“ neues Leben einzuhauchen.

In der Ausschreibung heißt es, der Bogen gelte als „ein bedeutendes Wahrzeichen, das von Millionen von Besuchern besucht, fotografiert, gefilmt und mit Hashtags versehen wird“. Der neue Eingangsbogen zu den Budengassen solle den Besuchern „einen ästhetischen Anblick bieten, der sie dazu anregt, ein Foto zu machen, das den Namen 'Christkindelsmärik' zur Geltung bringt“ – so wird der Weihnachtsmarkt auf Elsässisch genannt.

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Kritik von Politik und Bürgern

Die Opposition übt scharfe Kritik an den geplanten Ausgaben. „140.000 Euro, um den Weihnachtsbogen 'instagrammable' zu machen – das ist absurd“, sagte der Grünen-Oppositionspolitiker Alain Jund der Zeitung „Le Parisien“. Er verwies darauf, dass der Straßburger Weihnachtsmarkt jährlich 3,5 Millionen Besucher anzieht. Die neue Stadtverwaltung solle sich lieber darauf konzentrieren, den Touristenstrom besser zu lenken oder die Veranstaltung umweltfreundlicher zu gestalten.

Auch die grüne Stadträtin Florence Varieras äußerte sich gegenüber France 3: „Es ist doch klar, dass das nur für die sozialen Medien ist, um immer mehr Touristen anzulocken.“ Unter den Lesern der Straßburger Zeitung sorgt das Projekt ebenfalls für Unmut. „140.000 Euro für den Austausch des Bogens, während bereits beschlossene Projekte auf Eis gelegt oder überarbeitet wurden, um Kosten zu sparen“, kommentierte einer. Eine andere fragte: „Warum ein solches Budget? Könnte man es nicht für etwas Nützlicheres verwenden?“

Erinnerungen an die Kindheit

Doch es gibt auch Stimmen, die das Vorhaben begrüßen. „Dieser Bogen ist ein Wahrzeichen, das mich an den guten alten Weihnachtsmarkt meiner Kindheit erinnert“, schrieb ein Leser namens Patrick. „Die ursprüngliche Bezeichnung weckt Erinnerungen und bietet den erwarteten Touristen zudem ein kleines Stück Authentizität: Er hat es verdient, dass man ihn mit Schwung renovieren lässt!“ Patrick kritisierte jedoch zugleich die Verschwendung: „140.000 Euro für ein neues Schild! Als ob die Stadt nicht schon mit über 400 Millionen verschuldet wäre! Das ist immer noch reine Verschwendung.“

Pläne für den neuen Bogen

Laut Ausschreibung soll der neue Bogen „Authentizität, Tradition, Solidarität und Modernität“ vereinen und „Dekorationselemente aus Holz oder anderen natürlichen Materialien“ beinhalten. Erste Entwürfe sollen bereits im August vorliegen. Die Stadt hofft, mit dem modernisierten Wahrzeichen weiterhin Millionen von Besuchern anzuziehen und die Weihnachtsstadt Straßburg als Top-Reiseziel zu positionieren.

Die Diskussion zeigt, wie sensibel das Thema in der Bevölkerung ist – schließlich geht es nicht nur um Ästhetik, sondern auch um die Verwendung öffentlicher Gelder in Zeiten knapper Kassen. Ob der neue Bogen am Ende tatsächlich für 140.000 Euro gebaut wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin dürfte der Streit noch weitergehen.

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