Reinickendorfs Superintendent: Kein Verteufeln von AfD-Wählern
Superintendent: Kein Verteufeln von AfD-Wählern

Seit drei Jahren leitet Thomas Harms als Superintendent den evangelischen Kirchenkreis Reinickendorf. In einem Interview äußert er sich nun deutlich zur gesellschaftlichen Rolle der Kirche und zeigt Verständnis für Wähler der AfD. „Ich halte überhaupt nichts davon, AfD-Wähler zu verteufeln“, sagt Harms. Diese Haltung könnte in der aktuellen politischen Debatte für Diskussionen sorgen.

Was hat der Superintendent bisher erreicht?

Bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren kündigte Harms an, es sei ihm eine Herzensangelegenheit, die Reinickendorferinnen und Reinickendorfer zu bewegen. Auf die Frage, was er bisher erreicht habe, antwortet er bescheiden: „Es ist natürlich immer besser, wenn andere das beurteilen.“ Dennoch wird sein Anliegen deutlich: Die Menschen in Reinickendorf sollen nicht nur nebeneinanderhergehen, sondern miteinander leben, sich begegnen und sich verstehen.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt die Kirche laut Harms auf mehr als nur Gottesdienste. „Wir müssen dafür sorgen, dass es neben den Gottesdiensten auch noch andere Begegnungsorte gibt“, erklärt er. Die Kirche versteht sich dabei nicht als „Schülerlotsen“, sondern als Gestalterin von Räumen der Begegnung und des Dialogs.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kirche als Brückenbauer in schwierigen Zeiten

In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung sieht der Superintendent die Kirche in der Pflicht, Brücken zu bauen. Dabei gehe es nicht darum, politische Positionen zu beziehen, sondern darum, Menschen zusammen zu bringen. Diese Aufgabe werde umso wichtiger, je mehr die Gesellschaft auseinanderzudriften drohe.

Seine Aussage zur AfD könnte als Einladung zum Dialog verstanden werden. Harms betont, dass er nichts davon halte, Wähler der Partei pauschal zu verurteilen. Stattdessen plädiert er für Verständnis und Gesprächsbereitschaft. Diese Position ist bemerkenswert, da Kirchenvertreter oft in Kritik an der AfD stehen.

Die Rolle der Kirche heute

Auf die Frage, was die Kirche heutzutage noch leisten könne, verweist Harms auf die Bedeutung von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Die Kirche könne einen Raum bieten, in dem Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder ihrer politischen Einstellung zusammenkommen. Dies sei gerade in einem Bezirk wie Reinickendorf wichtig, der durch Vielfalt geprägt sei.

Der Superintendent zeigt sich überzeugt, dass die Kirche auch in einer säkularer werdenden Gesellschaft relevante Angebote machen kann. Neben den klassischen Gottesdiensten gehe es um Projekte, die das Miteinander fördern. Die genaue Ausgestaltung dieser Angebote ließ er im Interview offen, betonte aber die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen.

Ein Plädoyer für mehr Dialog

Mit seinen Aussagen positioniert sich Harms klar gegen eine Verteufelung von AfD-Wählern. Er sieht offenbar die Gefahr, dass Ausgrenzung die gesellschaftlichen Gräben weiter vertieft. Stattdessen plädiert er für einen respektvollen Umgang miteinander, auch wenn die politischen Ansichten stark voneinander abweichen.

Diese Haltung könnte innerhalb der Kirche und der Politik unterschiedlich aufgenommen werden. Während einige sie als Zeichen der Offenheit loben, könnten andere sie als zu nachsichtig gegenüber einer Partei kritisieren, die von Teilen der Gesellschaft als rechtspopulistisch eingestuft wird. Harms scheint jedoch bewusst eine Linie zu wählen, die den Dialog über die Ablehnung stellt.

Ausblick: Kirche als Ort der Begegnung

Der Superintendent zeigt sich ambitioniert, die Kirche in Reinickendorf weiter als Ort der Begegnung zu etablieren. Die kommenden Jahre dürften zeigen, wie sich seine Ideen konkret umsetzen lassen. Fest steht: Thomas Harms will die Menschen im Bezirk zusammenbringen – und dabei auch diejenigen nicht ausgrenzen, die politisch anders denken.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration