Thüringer Gartenbau in der Krise: Weniger Betriebe, steigende Kosten
Thüringer Gartenbau in der Krise: Weniger Betriebe

Pascal Klenart kniet vor einem Staudenbeet und gibt auf YouTube Tipps – der Erfurter Staudengärtner nutzt soziale Medien, um in einem schwierigen Markt zu bestehen. Denn trotz des allgemeinen Wunsches nach mehr Grün hat der Thüringer Gartenbau mit erheblichen Problemen zu kämpfen.

Branche in der Krise: Weniger Betriebe, höhere Kosten

Joachim Lissner, Geschäftsführer des Thüringer Gartenbauverbandes, beschreibt die Lage als „sehr angespannt“. Auch Peter Ritschel, Präsident des Thüringer Landesamts für Landwirtschaft und Ländlichen Raum, bestätigt: „Die Branche hat Probleme.“ Besonders stark betroffen sind Zierpflanzenbetriebe. Laut Landesamt sank ihre Zahl von 90 im Jahr 2012 auf heute nur noch 60.

Lissner führt dies auf gestiegene Kosten zurück: „Heizung, Strom, Töpfe, Substrate und Transport – alle Kosten sind gestiegen.“ Die Betriebe mussten ihre Preise anpassen, was die Nachfrage dämpfte. Zudem konkurrieren sie mit billigerer Massenware. Die Folge: Weniger Produktion, leere Gewächshäuser. Dass kaum jemand aufgegeben habe, liege laut Lissner vor allem an fehlenden Nachfolgern, die den Betrieb weiterführen wollen.

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Trends: Gemüse statt Blumen, Dienstleistungen statt Verkauf

Viele Gärtnereien reagieren auf den Trend zum Gemüseanbau auf Balkonen. Sie ziehen vermehrt Gemüsejungpflanzen heran und setzen auf Regionalität, Beratung und Qualitätsstandards. Ein Teil der Verbraucher fragt nach Bio-Produkten oder insektenfreundlichen Pflanzen. Zudem bieten Betriebe Dienstleistungen wie Gartenpflege, Heckenschnitt und Grabpflege an – ein wachsendes Geschäftsfeld, vor allem bei älteren Menschen.

Einige suchen Nischen, wie der Saatzuchtbetrieb Rose in Erfurt, der sich auf Öko-Saatgut für Wildblumenwiesen spezialisiert hat. 210 Arten und Sorten werden in aufwendiger Handarbeit gewonnen. Der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes hebt dies als Beispiel für eine erfolgreiche Spezialisierung hervor.

Positive Impulse: Landesgartenschau und Forschung

Vom Gartenbauverband wird die Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis als positiver Impuls gesehen. Lissner: „Wir wollen das Gärtnern den Menschen schmackhaft machen.“ Zudem verfügt Thüringen über das Deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt und ein eigenes Lehr- und Versuchszentrum Gartenbau, das jährlich Hunderte Teilnehmer ausbildet. Im Versuchszentrum wird unter anderem erforscht, wie der Gartenbau auf Klimaveränderungen reagieren kann – etwa durch neue Pflanzenarten oder energieeffizientere Gewächshäuser. Aktuell testen Wissenschaftler zusammen mit einem Max-Planck-Institut, ob mit Ozon behandelte Äpfel Schädlinge abwehren können.

Unterschiedliche Sparten: Obst- und Gemüsebau besser positioniert

Während Zierpflanzenbetriebe schrumpfen, entwickeln sich andere Sparten stabiler. Der Garten- und Landschaftsbau profitiert von der Nachfrage nach privaten und öffentlichen Grünflächen. Auch der Obst- und Gemüseanbau hält sich, wobei die Betriebe auf regionale Vermarktung setzen. Insgesamt gibt es im Freistaat etwa 300 Agrarbetriebe mit einer Gartenbausparte, darunter auch Anbau von Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen etwa bei Pößneck oder Andisleben.

Die Fachschule Gartenbau in Erfurt bildet den Nachwuchs aus. Referatsleiter Gerd Reidenbach betont: „Es geht darum, wie der Gartenbau auf Klimaveränderungen reagieren kann, welche Sorten sich bewähren und wie Pflanzen neuen Schädlingen standhalten.“ Thüringen bleibe ein Gartenbauland mit Tradition, doch die Zukunft erfordere Anpassung und Innovation.

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