Venedig kassiert Rekord: Mehr als fünf Millionen Euro Eintrittsgeld 2025
Venedig: Mehr als fünf Millionen Euro Eintrittsgeld

Venedig hat in diesem Jahr mit seinem weltweit einzigartigen Eintrittsgeld für Tagesbesucher mehr als fünf Millionen Euro eingenommen – so viel wie noch nie. Die Lagunenstadt im Norden Italiens meldete nach dem Ende der diesjährigen Bezahlsaison an diesem Wochenende mehr als 650.000 zahlende Tagesgäste. Offiziell handelt es sich dabei immer noch um eine Testphase, doch kaum jemand zweifelt daran, dass die Regelung in der schwer unter Massentourismus leidenden Stadt von Dauer sein wird.

Rekordeinnahmen durch Eintrittsgeld

Seit April mussten Tagesbesucher an insgesamt 60 Terminen Eintritt zahlen – unabhängig davon, wie lange sie sich in der Stadt mit den mehr als 150 Kanälen aufhielten. In der Regel betrug die Gebühr zehn Euro. Wer frühzeitig buchte, mindestens drei Tage im Voraus, kam mit fünf Euro davon. Wer als Tourist länger bleibt, ist von der Tagesgebühr ausgenommen, muss aber eine Übernachtungsabgabe entrichten. Die Zahl von 650.000 zahlenden Tagesbesuchern zeigt, dass die Maßnahme zwar Einnahmen generiert, aber nicht alle Tagesgäste erfasst – die Gesamtzahl der Tagestouristen liegt deutlich höher.

Testphase mit Zukunft

Die Regelung gilt als Testphase, die 2024 begann. Die Stadtverwaltung betont, dass die Einnahmen in die Instandhaltung der historischen Bausubstanz und die Abfallbeseitigung fließen. Bislang haben die Besucherzahlen nicht abgenommen, was Kritiker als Beleg für die mangelnde Wirksamkeit der Gebühr anführen. Venedig hatte 2014 als erste Stadt weltweit begonnen, für einen Besuch Eintritt zu erheben – damals noch in geringerem Umfang. Seitdem wurde das System mehrfach angepasst.

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Bürgermeister fordert drastische Erhöhung

Für den Rest des Jahres können Tagesgäste nun ohne Bezahlung in die Stadt. Im nächsten Jahr geht es dann wohl aufs Neue los, vermutlich wieder am Osterwochenende. Der neue Bürgermeister Simone Venturini hat bereits angedeutet, dass es künftig deutlich teurer werden könnte. Der Mitte-Rechts-Politiker schlug vor, an bestimmten Terminen zwischen 30 und 50 Euro zu verlangen. Allerdings liegt die Entscheidung darüber nicht allein in Venedig – auch die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Rom müsste zustimmen. Venturini argumentiert, dass höhere Preise die Besucherströme besser steuern und die Stadtentlastung vorantreiben könnten.

Kritik und verfassungsrechtliche Bedenken

Kritiker wenden ein, dass die Gebühr kaum jemanden davon abhält, die Markusplatz, die Rialtobrücke und andere Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Bislang gingen die Besucherzahlen nicht zurück. Gegen einen noch höheren Eintritt gibt es verfassungsrechtliche Bedenken: Aus Sicht von Experten könnte eine Gebühr von 50 Euro als Einschränkung der Bewegungsfreiheit interpretiert werden. Auch Zweifel an der rechtlichen Grundlage für eine dauerhafte Erhebung werden laut, zumal die Testphase offiziell noch läuft.

Tourismusflut und Einwohnerschwund

Venedig gehört in Europa zu den Städten, die viel Geld mit dem Tourismus einnehmen, aber auch schwer darunter leiden. Man sieht dies am Zustand mancher Häuser, aber auch an dem vielen Müll. Inzwischen gibt es dort deutlich mehr Hotelbetten als Einwohner. In der Altstadt leben heute weniger als 50.000 Menschen – kein Vergleich zu den Millionen Touristen, die jedes Jahr aus aller Welt kommen. Die Stadt versucht mit verschiedenen Maßnahmen, den Massentourismus einzudämmen, darunter auch das Verbot von großen Kreuzfahrtschiffen im historischen Zentrum. Das Eintrittsgeld ist ein weiterer Baustein, um die Besucherströme zu lenken und die Lebensqualität für die verbliebenen Einwohner zu verbessern.

Die Diskussion über die Höhe der Gebühr wird aller Voraussicht nach anhalten. Venturini hat eine Erhöhung ins Spiel gebracht, die weit über das hinausgeht, was bisher diskutiert wurde. Ob die Regierung in Rom dem zustimmt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Venedig bleibt ein Pilotprojekt für den Umgang mit Übertourismus.

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