Vonovia-Studie: 56 Prozent der Berliner für Vergesellschaftung
Vonovia-Studie: 56 Prozent der Berliner für Vergesellschaftung

Eine bislang unveröffentlichte Studie des renommierten Markt- und Sozialforschungsinstituts Sinus im Auftrag des Immobilienkonzerns Vonovia belegt: 56 Prozent der Berlinerinnen und Berliner befürworten weiterhin die Vergesellschaftung großer privater Wohnungsbestände. Die Studie wurde im Februar dieses Jahres durchgeführt und liegt dem Tagesspiegel exklusiv vor.

Besonders brisant ist der Auftraggeber: Vonovia selbst wäre als größtes Immobilienunternehmen in Berlin am stärksten von einer möglichen Enteignung großer Wohnungsbestände betroffen. Der Konzern hatte die Studie in Auftrag gegeben, die Ergebnisse jedoch offenbar nicht veröffentlichen wollen. Der Tagesspiegel hat die Daten nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die wichtigsten Ergebnisse der Sinus-Studie

Laut der Studie unterstützen 56 Prozent der befragten Berliner die Vergesellschaftung von Wohnraum großer Unternehmen. Nur 34 Prozent lehnen dies ab, 10 Prozent sind unentschlossen. Die Zustimmung ist über alle Altersgruppen und Stadtteile hinweg relativ stabil, wobei jüngere Befragte und Menschen in innenstadtnahen Bezirken etwas häufiger dafür sind.

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Die Studie zeigt auch, dass die Zustimmung zur Vergesellschaftung seit dem Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ im Jahr 2021 kaum nachgelassen hat. Damals hatten 59 Prozent der Berliner für die Enteignung großer Wohnungskonzerne gestimmt. Die neue Umfrage bestätigt, dass das Thema weiterhin hohe Relevanz besitzt.

Vonovia wollte Studie geheim halten

Der Wohnungskonzern Vonovia hatte die Studie in Auftrag gegeben, um die Stimmung in der Bevölkerung zu ermitteln. Offenbar waren die Ergebnisse jedoch nicht im Sinne des Unternehmens, weshalb es die Veröffentlichung vermeiden wollte. Ein Sprecher Vonovias äußerte sich auf Anfrage des Tagesspiegels nicht zu den Gründen der Geheimhaltung.

Die Studie ist ein weiterer Beleg für die anhaltende Debatte um die Wohnungsnot in Berlin. Befürworter der Vergesellschaftung argumentieren, dass große Konzerne wie Vonovia durch hohe Mieten zur Wohnungskrise beitragen. Gegner verweisen auf verfassungsrechtliche Bedenken und mögliche Entschädigungszahlungen in Milliardenhöhe.

Politische Reaktionen und Ausblick

Die Veröffentlichung der Studie dürfte den Druck auf die Berliner Politik erhöhen. Der Senat hatte nach dem Volksentscheid eine Expertenkommission eingesetzt, die die Umsetzbarkeit der Vergesellschaftung prüft. Ein Abschlussbericht wird noch in diesem Jahr erwartet. Die neue Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung weiterhin mehrheitlich hinter dem Vorhaben steht.

Vonovia selbst hatte sich stets gegen eine Vergesellschaftung ausgesprochen und auf die negativen Folgen für den Wohnungsmarkt hingewiesen. Die nun bekannt gewordenen Studienergebnisse könnten die Position des Konzerns zusätzlich erschweren.

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