Ingrid Künzler, bekannt als die Wurstkönigin von Hamburg, hat nach 40 Jahren auf den Wochenmärkten der Hansestadt eine radikale Veränderung vollzogen: Statt Zwiebelmett und Schweinebraten mit extra viel Glibber bietet die 72-Jährige nun Fisch an. Im Interview mit dem SPIEGEL erklärt sie die Beweggründe für diesen unerwarteten Schritt.
Von der Fleisch- zur Fischtheke
Künzler war jahrzehntelang eine feste Größe auf Hamburger Wochenmärkten. Ihre Spezialität war hausgemachte Wurst, insbesondere Zwiebelmett und Schweinebraten. „Bei mir wurde viel gesabbelt und geduzt – und jede Ware durfte vor Kauf probiert werden“, erinnert sie sich. Doch nun, mit 72 Jahren, wollte sie eigentlich kürzertreten – und begann stattdessen, Fisch zu verkaufen.
Die Hintergründe des Wechsels
Der Wechsel erfolgte nicht aus gesundheitlichen oder geschäftlichen Gründen, sondern aus persönlicher Überzeugung. Künzler betont, dass sie sich nach Jahrzehnten der Fleischverarbeitung nach einer neuen kulinarischen Herausforderung sehnte. „Fisch ist eine ganz andere Welt, aber ich liebe es, die Kunden mit frischen Produkten zu überraschen“, sagt sie. Der Umstieg sei nicht einfach gewesen, aber die Resonanz der Stammkunden sei positiv.
Ein neues Kapitel für die Markt-Ikone
Ihr neuer Stand bietet eine Auswahl an Nordseefisch, darunter Scholle, Kabeljau und Krabben. Künzler legt weiterhin Wert auf Qualität und persönliche Beratung. „Der direkte Kontakt zu den Menschen ist das, was mir am meisten fehlen würde“, erklärt sie. Trotz des Sortimentswechsels bleibt sie ihrem Marktstand treu – nur das Angebot hat sich geändert.
Zukunft der Wochenmärkte
Künzler sieht die Veränderung auch als Zeichen für die Anpassungsfähigkeit der Wochenmarktkultur. „Die Märkte müssen sich wandeln, um relevant zu bleiben. Vielleicht ist mein Schritt ein Beispiel dafür“, meint sie. Mit 72 Jahren zeigt sie, dass es nie zu spät ist, neue Wege zu gehen – selbst als Wurstkönigin.



