Das ZDF hat den Auftritt des linken Liedermachers Danger Dan in der Satiresendung „Die Anstalt“ kurz vor der Aufzeichnung gestrichen. Die Intendanz des Senders sieht in seinem neuen Lied „Keine Angst“ einen Aufruf zur Gewalt. Der Rapper und das Team der Sendung reagierten am Freitag mit scharfer Kritik und Zensurvorwürfen.
Entscheidung sorgt für Empörung
„Wir, ‚Die Anstalt‘, distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF“, schrieb das Team um die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl auf Instagram. Die Entscheidung sei „mutlos“. Danger Dan sollte mit Starpianist Igor Levit seinen Song bei der 100. Ausgabe der Sendung präsentieren, die sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie befasst. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF, den Auftritt zu streichen.
Liedtext: Kampf gegen Rechtsradikalismus
In dem Lied ruft Danger Dan, bürgerlich Daniel Pongratz, zum Kampf gegen Nazis auf und gibt Tipps zum Aufbau dezentraler Antifa-Strukturen. Es brauche geheime Kommunikation, rechte Strukturen zu recherchieren, deren Aktionen zu dokumentieren und Nazis öffentlich zu machen. „Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras“, heißt es. „Nie ohne Handschuhe, nie ‚nen Fingerabdruck hinterlassen.“ Auch singt er: „Die seh‘n gefährlich aus, aber wir legen sie lang“ und „Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.“
Welche Textstelle genau als Gewaltaufruf gewertet wird, ist unbekannt. Am Ende des Songs sendet Danger Dan „liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk“ – mutmaßlich die Linksextremistin Lina E. und drei Mitstreiter, die 2023 vom Oberlandesgericht Dresden wegen Angriffen auf Rechtsextreme zu Haftstrafen verurteilt wurden.
Danger Dan: „Ich verabscheue Gewalt“
Im „Spiegel“ wehrte sich Danger Dan gegen den Vorwurf, zur Gewalt aufzurufen. „Ich verabscheue Gewalt“, sagte er, aber: „Sie ist längst schon politische Realität.“ Bei Lina E. und ihren Mitstreitern – der Antifa-Ost – gehe es auch um Rechtsextreme, die über Jahre „alle, die nicht in ihr Weltbild passen, attackiert und tyrannisiert haben“. Die Kampfsportgruppe „Knockout 51“ sei bewaffnet gewesen und „absolut gewalttätig, wenn nicht sogar bereit, Linke zu töten“. Die Bundesanwaltschaft hatte der Gruppe vorgeworfen, spätestens ab 2021 gezielt die Tötung von Personen aus der linken Szene geplant zu haben.
In der Argumentation des Rappers ist die Gewalt der Antifa-Ost eine Reaktion auf rechten Terror, mit dem queere, linke und migrantische Menschen in Teilen Deutschlands leben müssten. „Der Staat versagt, und an der Zivilgesellschaft bleibt es hängen“, so Danger Dan. Die deutsche Justiz verurteilte Lina E. wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und gefährlicher Körperverletzung zu fünf Jahren und drei Monaten Haft.
„Die Anstalt“: Öffentlich-rechtliche Pflicht verletzt
Das Team der „Anstalt“ erklärte auf Instagram: „Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren“ – gerade in Zeiten zunehmender rechtsextremer Gewalt. „Wie es aussieht, wenn Sender und Sendung nicht einer Meinung sind, seht ihr in der nächsten Folge der Anstalt am Dienstag, 21. Juli, um 22.25 Uhr im ZDF.“
Danger Dan berichtete im „Spiegel“, dass sich die „Anstalt“ bis zuletzt für seinen Auftritt eingesetzt habe, sogar das ganze Programm sei umgeschrieben worden. Als er, Levit und sechs weitere Musiker bereits in München für die Aufzeichnung waren, habe die Intendanz des ZDF ihr Veto eingelegt. „Dass der Intendant des ZDF anfängt, antifaschistische Lieder zu zensieren, ist leider ein furchtbares Zeichen“, sagte er.
ZDF: Keine Zensur, aber Widerspruch zu Programmrichtlinien
Das ZDF erklärte, bei der Vorbereitung habe man sich redaktionell intensiv mit dem Lied beschäftigt, auch die Geschäftsleitung sei beteiligt gewesen. Man sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der Widerspruch zu den ZDF-Programmrichtlinien im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance nicht mehr aufzulösen gewesen wäre. In einem Instagram-Beitrag der ZDF-„Heute“-Redaktion heißt es zudem: „Danger Dan wird vom ZDF nicht zensiert“. Es sei entschieden worden, „sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten“.



