Ein Badeurlaub an der Ostsee endete für einen Berliner tödlich. Wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in seinem aktuellen epidemiologischen Wochenbericht mitteilt, haben sich in dieser Saison bereits drei Menschen aus der Hauptstadt mit Vibrionen infiziert. In einem Fall verlief die Infektion tödlich. Die Fälle ereigneten sich im Zusammenhang mit dem Baden in der Ostsee, wo sich die Bakterien aufgrund der hohen Wassertemperaturen seit Juni stark vermehrt haben.
Drei Fälle in dieser Saison – ein Todesfall
In Berlin wurden in dieser Saison bereits drei Vibrionen-Infektionen gemeldet, eine davon in der Meldewoche vom 13. bis 19. Juli. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der Vorjahre wurde bis zu diesem Zeitpunkt nur eine Infektion registriert. „Bei allen drei Personen lag eine Wundinfektion vor, die sich in zwei Fällen zu einem septischen Krankheitsbild entwickelte, in einem Fall mit tödlichem Verlauf“, heißt es im Bericht des Lageso. Die Betroffenen waren alle älter als 75 Jahre und gehörten damit zur bekannten Risikogruppe.
Risikogruppen und Ansteckungswege
Vibrionen sind Bakterien, die natürlicherweise in Küstengewässern mit einem Salzgehalt zwischen 0,5 und 2,5 Prozent vorkommen. Sobald die Wassertemperatur der Ostsee die 20-Grad-Marke erreicht, können sie sich stark vermehren. Besonders betroffen sind die Küsten- und Boddengewässer von Usedom und Rügen. Zwei der Erkrankten infizierten sich laut Lageso beim Baden in Meer- und Boddenwasser in Mecklenburg-Vorpommern. Die dritte Ansteckungsquelle ist noch unklar. Wundinfektionen entstehen, wenn offene oder nicht verheilte Wunden mit vibrionenhaltigem Wasser in Kontakt kommen.
Das Risiko einer schweren Infektion ist besonders hoch bei älteren Menschen, immungeschwächten Personen sowie Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, Lebererkrankungen oder schweren Herzerkrankungen. Auch der Verzehr von rohen oder nicht durchgegarten Meeresfrüchten und Fisch kann zu schweren Magen-Darm-Infektionen führen.
Prävention und richtiges Verhalten
Das Lageso empfiehlt: Wer offene, größere oder frische Wunden hat, sollte derzeit möglichst nicht in der Ostsee baden oder waten. Kleinere Verletzungen sollten vor dem Gang ins Wasser wasserdicht abgedeckt werden. Kommt eine Wunde dennoch mit Ostseewasser in Kontakt, muss sie gründlich mit sauberem Leitungswasser ausgespült werden. Anschließend gilt: die Verletzung genau beobachten. Rötet sie sich schnell, schwillt stark an oder treten pochende Schmerzen auf – vor allem zusammen mit Fieber oder Schüttelfrost –, sollte umgehend ein Arzt oder eine Notaufnahme aufgesucht werden.
Das European Centre for Disease Prevention and Control bietet mit dem „Vibrio Viewer“ eine Karte, die nahezu in Echtzeit die Ausbreitung von Vibrionen in Europa zeigt. Diese kann als Orientierungshilfe für Badegäste dienen.
Hintergrund: Vibrionen und ihre Gefahr
Vibrionen sind mit den Cholera-Erregern verwandt, können aber auch außerhalb von Cholera-Epidemien schwere Infektionen verursachen. Die diesjährige Hitzeperiode im Juni hat die Vermehrung der Bakterien in der Ostsee begünstigt. Die Behörden raten daher zur Vorsicht, insbesondere an stark erwärmten Küstenabschnitten. Die Zahl der gemeldeten Infektionen liegt in diesem Jahr bereits über dem Durchschnitt der Vorjahre, was auf die erhöhten Wassertemperaturen zurückgeführt wird.



