Viele Long-Covid-Patienten setzen große Hoffnungen in die sogenannte Immunadsorption, eine Blutwäsche, die krankmachende Antikörper aus dem Blut filtern soll. Doch eine neue Studie nährt Zweifel an der Wirksamkeit dieser Methode. Die Untersuchung, veröffentlicht im Fachjournal Nature Communications, kommt zu dem Schluss, dass die Behandlung zwar technisch erfolgreich sei, aber keinen signifikanten klinischen Nutzen bringe. Dies sorgt für Kontroversen, insbesondere da Charité-Professorin Carmen Scheibenbogen die Ergebnisse anders interpretiert.
Studienergebnisse im Detail
Die Studie, durchgeführt von einem Forscherteam um Dr. med. Johannes K. aus Berlin, untersuchte 100 Long-Covid-Patienten, die unter anhaltender Erschöpfung, kognitiven Beeinträchtigungen und anderen Symptomen litten. Die Hälfte von ihnen erhielt eine echte Immunadsorption, die andere Hälfte eine Scheinbehandlung. Nach sechs Monaten zeigte die Gruppe mit echter Behandlung zwar eine Reduktion bestimmter Autoantikörper, aber keine signifikante Verbesserung der Symptome im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Autoren schlussfolgern: „Die Immunadsorption führt zu einer Senkung der Antikörperspiegel, aber dies übersetzt sich nicht in eine klinische Besserung.“
Widerspruch aus der Charité
Professorin Carmen Scheibenbogen, Leiterin der Long-Covid-Ambulanz der Charité, kritisiert die Studie jedoch scharf. Sie bemängelt, dass die Auswahl der Patienten nicht repräsentativ sei: „Viele der eingeschlossenen Patienten hatten nur milde Symptome. Bei schwer betroffenen Patienten sehen wir in unserer Praxis durchaus deutliche Erfolge.“ Zudem weist sie darauf hin, dass die Studie die individuelle Anpassung der Behandlung ignoriere. „Nicht jeder Patient profitiert gleich. Die Immunadsorption muss auf den spezifischen Antikörperbefund zugeschnitten sein.“
Hintergrund: Was ist Immunadsorption?
Die Immunadsorption ist ein Verfahren, bei dem das Blut des Patienten durch einen Filter geleitet wird, der bestimmte Antikörper entfernt. Diese Antikörper werden bei Long Covid oft als Mitverursacher der anhaltenden Symptome angesehen. Die Behandlung ist aufwendig und kostspielig, weshalb sie nur in spezialisierten Zentren angeboten wird. Viele Patienten berichten von subjektiven Verbesserungen, doch kontrollierte Studien lieferten bisher gemischte Ergebnisse.
Reaktionen aus der Fachwelt
Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie (DGfI) zeigt sich zurückhaltend. Ihr Präsident, Professor Stefan K., erklärt: „Die Studie ist methodisch solide, aber die Ergebnisse sind nicht endgültig. Weitere Forschungen sind nötig, um zu klären, welche Patienten von der Immunadsorption profitieren könnten.“ Patientenverbände hingegen fordern, die Behandlung weiterhin als Option zu erhalten. „Vielen Betroffenen bleibt nur diese Hoffnung“, so eine Sprecherin des Long-Covid-Deutschland e.V.
Abschließend bleibt festzuhalten: Die Debatte um die Immunadsorption bei Long Covid ist noch nicht entschieden. Während die neue Studie die Wirksamkeit anzweifelt, verweisen Kliniker wie Scheibenbogen auf positive Erfahrungen im Einzelfall. Die Suche nach wirksamen Therapien für Long Covid bleibt eine der großen medizinischen Herausforderungen der Post-Pandemie-Zeit.



