Das verheerende Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011 hat Japan dauerhaft nach Osten verschoben. Eine neue Studie in der Fachzeitschrift „Science“ zeigt, dass das Land durch die Erschütterungen um bis zu sechs Millimeter nach Osten gerückt ist. Die Verschiebung erstreckt sich über eine Länge von rund 3.000 Kilometern – das größte jemals nach einem einzelnen Beben registrierte Bruchgebiet.
Hintergrund des Tohoku-Erdbebens
Das Tohoku-Erdbeben mit einer Stärke von 9,0 war das stärkste je in Japan gemessene Beben. Es löste einen verheerenden Tsunami aus, der mehr als 500 Quadratkilometer Küstenland überflutete und über 20.000 Menschen tötete. Die bis zu 14 Meter hohen Wellen trafen das Atomkraftwerk Fukushima I, wo es zu mehreren Kernschmelzen und massiven radioaktiven Freisetzungen kam.
Messungen und Entdeckung der Verschiebung
Das japanische Erdbeobachtungssystem Geonet, das Daten von 1.300 Stationen und globalen Navigationssatelliten nutzt, zeichnete etwa 13 Minuten nach dem Hauptbeben die Ankunft von Transversalwellen auf, die an der Grenze von Erdmantel und Erdkern reflektiert worden waren. Kurz darauf wurden große Teile Japans gegenüber einem Referenzpunkt in China nahe der Grenze zu Russland um mehrere Millimeter nach Osten verschoben. Die Forscher geben fünf bis sechs Millimeter als höchsten Wert an – die erste Beobachtung eines solchen Ereignisses.
Simulationen erklären die Ursache
Das Team um den Forscher Park simulierte verschiedene Szenarien von Rutschungen in 20 bis 60 Kilometern Tiefe. Die beste Übereinstimmung mit den Geonet-Daten ergab sich, wenn die Rutschungen entlang der Bruchzonen zwischen vier Erdplatten erfolgten: im Nordosten zwischen der Pazifischen Platte und der Ochotsk-Platte, südwestlich davon zwischen der Philippinischen Platte und der Eurasischen Platte. Die Gesamtlänge dieser Rutschzonen entspricht etwa der Länge des japanischen Festlands (rund 3.000 Kilometer) und übertrifft die Bruchlänge des Hauptbebens um das Sechs- bis Siebenfache.
Warnung vor unterschätzten Risiken
Die Forscher betonen die Relevanz ihrer Erkenntnisse für den Umgang mit Erdbeben. „Diese Beobachtung unterstreicht, wie wichtig es ist, diese bislang nicht erkannte Quelle seismischer Gefahren zu berücksichtigen, die von einer potenziellen (Re-)Aktivierung des Hauptbebengebiets und der umliegenden Region ausgeht – selbst noch mehr als zehn Minuten nach dem Hauptbeben“, heißt es in der Studie.



