Carlo kommt auf Brücke zur Welt: 1,6 km vor Klinik
Carlo kommt auf Brücke zur Welt: 1,6 km vor Klinik

Die Klinik war nur noch 1,6 Kilometer entfernt, doch Carlo wollte nicht länger warten. Allen flehentlichen Bitten seiner Eltern zum Trotz kam er in Papas blauem VW Touran zur Welt – mitten auf einer Brücke, die die Polizei kurzerhand zum Kreißsaal erklärte und mit zwei Streifenwagen absperrte. Drei Tage später traf die Familie Kolberg in Bergkamen ein. Carlo nuckelt selig an seinem Schnuller, Schwesterchen Tessa (1) isst eine Aprikose, Papa Felix (30) und Mama Lisa (33) strahlen glücklich.

Nachts noch entspannt – dann die überraschende Wendung

„Das war wirklich ganz schön irre. Wir reden noch immer von nichts anderem“, sagt der selbstständige Handwerker. Dabei fing alles erfrischend unaufgeregt an. Nachts um vier Uhr wurde Lisa Kolberg mit dem Gefühl, es könne losgehen, wach – es war der errechnete Geburtstermin. Entspannt ging sie duschen, weckte ihren Mann und die Schwiegereltern, damit sie auf die kleine Tessa aufpassen. Alle warteten gelassen. Doch dann die Planänderung um 6.50 Uhr: Die Wehen kamen schon alle fünf bis zehn Minuten.

Rasante Fahrt und Geburt auf der Brücke

Felix Kolberg: „Es wurde immer schlimmer. Lisa stand der Schweiß auf der Stirn, sie hechelte immer stärker. Ich fuhr schneller, war mit Lichthupe und Warnblinklicht unterwegs. Alle machten Platz.“ Die Fruchtblase platzte auf der B63. Lisa rief: „Jetzt musst du dich aber beeilen!“, stellte die Beine auf das Armaturenbrett, zog das Kleid hoch und den Slip aus. Dann passierte es: Die Fruchtblase platzte. Die Ereignisse überschlugen sich. Ehemann Felix steuerte gerade über eine Brücke, blickte kurz zum Beifahrersitz: „Da sah ich schon das Köpfchen! Ich habe gebremst, die Handbremse gezogen – und im nächsten Augenblick das glitschige Baby aufgefangen. Es schrie, und ich legte es meiner Frau an die Brust.“ Eine andere Autofahrerin eilte herbei, wickelte Mutter und Neugeborenes in eine Decke.

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Rettungseinsatz und Nabelschnurdurchtrennung

Zitternd stand der Papa auf der Straße, tippte die 112 ins Telefon. Innerhalb von Minuten waren Polizei, Rettungsdienst und ein Notarzt vor Ort. Die Polizei sperrte die Straße, den kleinen Stau nach der Sperrung der Brücke nahmen die Helfer in Kauf. Felix Kolberg durfte noch mit in den Rettungswagen, um die Nabelschnur zu durchtrennen – dann ging es in Kolonne zur Klinik. Nach den üblichen Untersuchungen die Erleichterung: Mutter und Carlo sind wohlauf. Eine Ärztin notierte die Geburtsdaten: 3750 Gramm schwer, 50 Zentimeter groß und 34 Zentimeter Kopfumfang.

Gelassenheit dank Berufserfahrung

Mutter Lisa zu BILD: „Ich habe bis zuletzt gedacht, dass ich es noch schaffe. Bei Tessa ging es zwar auch schnell, aber nicht soooo schnell.“ Ihre Gelassenheit hat sie vermutlich ihrem Beruf zu verdanken. Lisa Kolberg arbeitet als medizinische Fachangestellte in der Geburtshilfe der Uniklinik Münster. Beim nächsten Kind fahren die Kolbergs auf jeden Fall eher los. „Notfalls lasse ich das Duschen lieber weg“, sagt Mama Lisa.

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