Ebola-Versorgung in Deutschland: 50 Fachleute pro Patient nötig
Ebola-Versorgung: 50 Fachleute pro Patient nötig

Rund 50 Fachleute sind erforderlich, um einen einzigen Ebola-Patienten in einer deutschen Klinik zu versorgen. Die Arbeit mit Schutzanzügen ist äußerst komplex, und Fehler sind nicht erlaubt. Höchste Sicherheitsstandards gelten, wenn Patienten mit gefährlichen Erregern wie Ebola aufgenommen werden. Nur wenige Gesundheitszentren in Deutschland sind darauf vorbereitet. Im Mai nahm die Berliner Charité einen Ebola-Patienten in ihrer Sonderisolierstation auf, nun wird ein weiterer Fall in der Uniklinik Frankfurt am Main behandelt.

Funktionsweise einer Sonderisolierstation

Stationen dieser Art sind vom regulären Klinikbetrieb getrennt, sodass jeder Kontakt zu anderen Patienten ausgeschlossen werden kann. Verhindert werden nicht nur direkte Begegnungen – auch Raumluft, Wasser und Müll werden strikt getrennt, wie das Bundesgesundheitsministerium informiert. „Entscheidend ist, dass kein Risiko für die Bevölkerung besteht, und auch nicht für die Mitarbeitenden“, erklärt Oberarzt Torsten Feldt, Leiter des Bereichs Tropenmedizin des Universitätsklinikums Düsseldorf. Aus den Sonderisolierstationen in Deutschland sei „noch kein Erreger entkommen“.

Abwasser- und Müllentsorgung

Das Abwasser des Patienten wird in speziellen Tanks gesammelt, aufbereitet und neutralisiert. Müll wie die gebrauchten Schutzanzüge wird getrennt gesammelt und durch ein spezialisiertes Unternehmen sicher entsorgt. In den Räumen herrscht außerdem Unterdruck, damit beim Öffnen der Türen oder bei kleinen Lecks die Luft in die Station hineingesogen wird und nicht entweicht – so können auch die Krankheitserreger nicht nach außen dringen. Hinzu kommen besondere Filteranlagen: „Die Luft wird, bevor sie wieder in die Umwelt abgegeben wird, mit einem Hochleistungsfilter gefiltert“, erklärt Feldt.

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Schutz des medizinischen Personals

Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte betreten die isolierten Bereiche immer in speziellen Ganzkörper-Schutzanzügen, inklusive einer Art Helm, Fußteilen und Handschuhen. Dazu gehört auch ein integriertes Gebläse-Luftfiltersystem. Das An- und Ausziehen kann laut Bundesgesundheitsministerium etwa 20 Minuten dauern. Fachleute der Infektiologie des Universitätsklinikums Düsseldorf demonstrierten kürzlich das Prozedere, bei dem auf einen Besuch des Patientenzimmers eine Dekontaminationsdusche folgt. Dabei wird nicht nur mit Essigsäure desinfiziert, sondern auch händisch mit einer Bürste in allen Falten des Anzugs von oben bis unten geschrubbt. Anschließend wird der Einmal-Anzug mit Schutzausrüstung aufgeschnitten und entsorgt.

Arbeitszeitbeschränkungen

Weil die Arbeit in diesen gelben Anzügen so anstrengend ist, dürfen die Fachleute laut Feldt maximal zwei Stunden darin arbeiten. Dann wird gewechselt.

Standorte der Sonderisolierstationen

Insgesamt gibt es sieben Sonderisolierstationen in Deutschland – in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart. Sie sind von überall in der Bundesrepublik auf dem Landweg innerhalb weniger Stunden erreichbar. Die Kapazität ist unterschiedlich: In Düsseldorf können maximal drei Patienten mit derselben Krankheit behandelt werden, in der Berliner Charité sind es bis zu 20 Personen – das ist die größte Station. Insgesamt liegt die Kapazität im mittleren zweistelligen Bereich.

Aktivierung der Stationen

Sonderisolierstationen sind nicht ständig aktiv. Sie werden nur bei einem entsprechenden Verdachtsfall aktiviert, wie Oberarzt Feldt erklärt. „Das wichtigste dabei ist, das Team zusammenzutrommeln, denn die Personalstärke, die benötigt wird für die Versorgung der Patientinnen und Patienten, ist doch beträchtlich.“ Für einen Patienten seien etwa 50 Fachleute nötig, da die Teams im Schichtsystem arbeiten müssten. Im normalen Alltag sei die Sonderisolierstation in seinem Klinikum eine Infektionsstation, erläutert Feldt – das bedeute, dass alle Betten mit infektiösen Patienten belegt seien. Diese müssten erst einmal verlegt werden, entweder innerhalb des Hauses oder in andere Krankenhäuser. „Die Vorbereitung nach der Alarmierung dauert etwa vier Stunden – manchmal geht es etwas schneller.“

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Häufigkeit von Alarmierungen

„Das ist ein extrem seltenes Ereignis, das kommt alle Jahre einmal vor“, sagt der Tropenmediziner. In Düsseldorf seien bisher noch keine viral hämorrhagischen Fieber wie Ebola oder Lassa behandelt worden. In jüngster Vergangenheit befand sich dort jedoch eine Kontaktperson jener Menschen, die sich auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ mit dem Hantavirus infiziert hatten. Auf der Sonderisolierstation in Frankfurt am Main hat man Erfahrung mit hämorrhagischem Fieber: „Wir haben hier mehrere Patienten mit der Sars-Erkrankung, dem Lassa-Fieber sowie einen mit dem Ebolavirus infizierten Patienten erfolgreich behandelt“, heißt es auf der Webseite.

Hintergrund der Behandlung in Deutschland

Im Jahr 2014 waren bereits drei Ebola-Patienten aus Afrika nach Deutschland geflogen worden. Die USA haben die Bundesregierung bereits in der Vergangenheit um Hilfe bei der Behandlung eines mit Ebola infizierten US-Staatsbürgers gebeten, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilt. Als Grund nennt das Ministerium die im Vergleich zum Reiseziel USA kürzere Flugzeit vom Kongo nach Deutschland sowie die vorhandene medizinische Infrastruktur. Neben den sieben Sonderisolierstationen gibt es auch das bundesweite Expertennetzwerk Stakob, das auf die Behandlung von Patienten mit hochpathogenen Erregern spezialisiert ist.