Das US-Militär hat nach eigenen Angaben seine jüngste Angriffswelle auf Dutzende Ziele im Iran beendet. Bei den Angriffen seien unter anderem iranische Luftabwehrsysteme und Radarstationen ins Visier genommen worden, teilte das zuständige US-Regionalkommando Centcom im Onlinedienst X mit. Das Ziel sei gewesen, die Fähigkeit des Iran einzuschränken, Handelsschiffe in der Straße von Hormus anzugreifen. Die Straße von Hormus wird nach Angaben des US-Zentralkommandos derzeit nicht vom Iran kontrolliert. Teheran hatte die Handelsstraße am Sonntag für geschlossen erklärt.
Revolutionsgarden attackieren US-Stützpunkte
Die iranischen Revolutionsgarden haben nach Angaben von Staatsmedien US-Militärziele und -stützpunkte in Jordanien, Kuwait und Bahrain angegriffen. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna zitierte am Montag mehrere Erklärungen der Revolutionsgarden, wonach die Revolutionsgarden einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien, ein US-Drohnenkommandozentrum in Bahrain und Stützpunkte in Kuwait angegriffen hätten.
Der Iran hat die jüngsten Angriffe der USA verurteilt. Diese hätten alle diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate zunichte gemacht, erklärte das iranische Außenministerium in der Nacht zum Montag. Die USA hätten zudem „eine Rückkehr der Unsicherheit in der Straße von Hormus sowie Störungen der internationalen Handelsschifffahrt verursacht“.
Ein Toter bei US-Angriffen im Iran
Bei US-Angriffen auf den Iran am Montag ist nach Angaben iranischer Staatsmedien ein Mensch im Südwesten des Landes getötet worden. Vier weitere seien verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf einen Behördenvertreter der Provinz Chusestan. Die US-Angriffe richteten sich den Angaben zufolge gegen die Stadt Mahschahr.
Inmitten der erneuten Eskalation im Iran-Krieg ist in Bahrain am Montagmorgen nach Angaben des Innenministeriums Sirenenalarm ertönt. Die Menschen würden aufgefordert, Ruhe zu bewahren und sich zum nächstgelegenen sicheren Ort zu begeben, erklärte das Innenministerium weiter im Onlinedienst X.
Weitere Angriffe auf Kuwait und die Insel Keschm
Mehr als zehn Geschosse haben am Sonntag laut iranischen Angaben die Golfinsel Keschm in der strategisch wichtigen Straße von Hormus getroffen. Dies berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna unter Berufung auf den Gouverneur von Keschm, Hossein Amir Teymuri. Es habe sich um „militärische Ziele“ gehandelt, niemand sei zu Schaden gekommen. Bei Angriffen in der südlichen Provinz Hormusgan wurde am Sonntag laut Staatsmedien ein Mitarbeiter eines Telekommunikationsunternehmens getötet.
Das Verteidigungsministerium in Kuwait teilte unterdessen mit, dass drei Grenzposten und eine Offshore-Ölplattform angegriffen worden seien. „Drei Grenzposten an Land im Norden des Landes wurden Ziel eines feigen Angriffs, der zu Sachschäden führte“, hieß es in der Erklärung. Zudem sei eine kuwaitische „Offshore-Bohrplattform“ von einer „feindlichen Drohne“ angegriffen worden. Ein Arbeiter sei verletzt worden, zudem habe es Sachschäden gegeben.
Trump: Wir haben den Iran hart getroffen
Mit ihren jüngsten Angriffen haben die USA aus Sicht von Präsident Donald Trump dem Iran einen schweren Schlag versetzt. „Wir haben sie letzte Nacht hart getroffen“, sagte Trump am Sonntag in einem Interview mit dem US-Sender CNN. Die US-Armee hatte nach eigenen Angaben etwa 140 militärische Ziele im Iran angegriffen, nachdem die iranischen Revolutionsgarden ein Schiff in der Straße von Hormus attackiert hatten. Teheran reagierte mit Angriffen auf Ziele in mehreren Golfstaaten, darunter Katar und Oman. Außerdem erklärten die iranischen Revolutionsgarden, die für den Welthandel bedeutende Straße von Hormus bleibe „bis auf Weiteres und bis zum Ende der amerikanischen Interventionen in dieser Region gesperrt“.
US-Präsident Donald Trump hat die Straße von Hormus entgegen iranischer Aussagen als offen für den Schiffsverkehr erklärt. „Sie ist offen“, sagte Trump am Sonntag in der NBC-Sendung „Meet the Press“. Auch das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom schrieb in einem Post auf der Plattform X, die für den Handel wichtige Meerenge bleibe eine internationale Wasserstraße, die der Iran nicht kontrolliere.
Diplomatische Bemühungen gescheitert
Vertreter aus Washington und Teheran hatten sich Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen geeinigt, das den Weg für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ebnen sollte. Darin war vereinbart worden, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal auszuhandeln. Es beinhaltet auch die Forderung nach einer Öffnung der Straße von Hormus. Der Golfstaat Oman, der in dem Konflikt vermittelt, legte einen Vorschlag zur gebührenfreien Durchfahrt der Straße von Hormus vor. Gespräche am Samstag in der omanischen Hauptstadt Maskat endeten zunächst ohne Durchbruch.
Trump sagte dazu auf CNN, der Iran habe am Samstag kurz vor einem „Deal“ gestanden. „Sie waren dabei, alles aufzugeben, und dann plötzlich, zwei Stunden später, trafen sie ein Schiff mit einer Drohne“, fügte der US-Präsident hinzu. „Diese Leute, mit denen ist etwas faul.“
Straße von Hormus: Wichtiger als Atombomben
Die Straße von Hormus hat nach Angaben eines Beraters des obersten iranischen Führers Modschtaba Chamenei eine größere strategische Bedeutung für das Land als Atomwaffen. Die Meerenge sei „wichtiger als Dutzende von Atombomben, und die Islamische Republik Iran wird sie schützen“, sagte Chameneis Militärberater Mohsen Resai am Sonntag nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna. Westliche Staaten werfen dem Iran seit Jahren vor, nach Atomwaffen zu streben. Teheran bestreitet dies und versichert, sein Atomprogramm lediglich zur zivilen Nutzung zu betreiben.
Der Golfstaat Katar hat nach erneuten iranischen Angriffen zur vorübergehenden Einstellung des Schiffsverkehrs geraten. Für alle Fahrten und andere „meeresbasierte Tätigkeiten“ werde empfohlen, diese bis auf Weiteres auszusetzen, teilte das katarische Transportministerium heute mit. Das betreffe auch Fischer- und Freizeitboote, Jetskis und „alle anderen Seefahrzeuge“. Katar meldete heute erneute Angriffe aus dem Iran. Dabei wurden nach offiziellen Angaben durch herabfallende Trümmerteile drei Menschen verletzt, darunter ein Kind.



