Ernährungsexperte kritisiert veraltete DGE-Empfehlungen scharf
Ernährungsexperte kritisiert veraltete DGE-Empfehlungen

Der Ernährungswissenschaftler und Diätassistent Sven-David Müller übt scharfe Kritik an den aktuellen Ernährungsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Viele Richtwerte seien veraltet oder würden in der Öffentlichkeit missverstanden, sagt der 56-Jährige. Er ist Partner des Forums für evidenzbasierte Gesundheitsvorsorge (FEBPH), das vor neun Monaten gegründet wurde und sich die Aufklärung über falsche oder fehlinterpretierte Ernährungsempfehlungen zur Aufgabe gemacht hat.

Veraltete Regelungen: Warum die DGE-Richtwerte auf dem Prüfstand stehen

Müller kritisiert insbesondere, dass die DGE-Empfehlungen nicht immer auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand sind. „Viele Menschen orientieren sich blind an den Richtwerten, ohne zu hinterfragen, ob sie wirklich zu einer gesunden Ernährung beitragen“, erklärt er. Die Folge: negative Auswirkungen auf die Gesundheit, etwa durch eine einseitige oder falsche Nährstoffzufuhr.

Ein zentrales Problem sei die mangelnde Differenzierung. So würden beispielsweise Fette pauschal verteufelt, obwohl ungesättigte Fettsäuren lebenswichtig sind. Auch beim Protein werde oft übertrieben, während gleichzeitig wichtige Quellen wie Hülsenfrüchte vernachlässigt würden.

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Fett, Protein, Zucker: Die häufigsten Irrtümer im Detail

Auf die Frage nach den größten Fehlentwicklungen nennt Müller mehrere Beispiele. Beim Fett sei die Unterscheidung zwischen gesunden und ungesunden Fetten entscheidend. „Transfette und stark verarbeitete Öle sind problematisch, aber hochwertige Öle wie Olivenöl oder Leinöl haben positive Effekte“, so der Experte.

Beim Protein sieht er eine Überbetonung tierischer Produkte. „Viele glauben, nur Fleisch und Milchprodukte liefern ausreichend Eiweiß. Dabei sind pflanzliche Quellen wie Linsen, Kichererbsen oder Quinoa oft sogar besser, weil sie zusätzlich Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe enthalten.“

Gluten und Zucker: Zwischen Hype und Realität

Ein weiteres Reizthema ist Gluten. Müller betont, dass nur Menschen mit Zöliakie oder einer nachgewiesenen Glutenunverträglichkeit auf Gluten verzichten müssen. „Für alle anderen ist Gluten nicht schädlich. Der Trend zu glutenfreien Produkten ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht gerechtfertigt“, sagt er.

Beim Zucker warnt er vor versteckten Zuckerarten in verarbeiteten Lebensmitteln. „Zucker ist nicht per se böse, aber die Menge macht das Gift. Die Industrie setzt oft auf billige Zuckerarten wie Fruktose-Glukose-Sirup, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen.“

Salz: Die unterschätzte Gefahr

Neben Zucker spielt auch Salz eine wichtige Rolle. Müller weist darauf hin, dass ein übermäßiger Salzkonsum das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. „Die DGE empfiehlt maximal sechs Gramm pro Tag, aber viele Menschen überschreiten diesen Wert deutlich, ohne es zu merken – vor allem durch Fertiggerichte und Snacks.“

Der Experte fordert daher eine Reform der Ernährungsempfehlungen. „Wir brauchen mehr Aufklärung, die auf aktuellen Studien basiert und die Menschen befähigt, eigene Entscheidungen zu treffen.“

Praktische Tipps: So navigieren Verbraucher durch den Informationsdschungel

Um den Überblick zu behalten, empfiehlt Müller, sich nicht von einzelnen Superfoods oder Trends blenden zu lassen. „Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist immer noch das Beste“, so seine Kernbotschaft.

Er rät, auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten und stark verarbeitete Produkte zu meiden. „Wer selbst kocht, weiß, was drin ist. Das ist der einfachste Weg, um Fehlernährung zu vermeiden.“

Das FEBPH plant, in den kommenden Monaten weitere Aufklärungskampagnen zu starten, um evidenzbasierte Informationen in die Öffentlichkeit zu bringen.

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