Abdul Ballout, der am Tag des Berliner Christopher Street Day (CSD) mit einem Transporter in den Tiergarten raste und dabei eine Frau tötete sowie 31 Menschen verletzte, hat die Polizei offenbar mit einer Spielzeugwaffe ausgetrickst. Wie BILD exklusiv berichtet, gelang es dem IS-Anhänger, die Ermittler gezielt zu testen und herauszufinden, wie genau er als Gefährder überwacht wurde. Dies zeigen Aufnahmen, die BILD einsehen konnte.
Doppelleben und gezielte Tests
Der 30-jährige Libyer führte offenbar ein Doppelleben. Während er nach außen hin unauffällig wirkte, radikalisierte er sich im Internet und plante offenbar einen Anschlag. Er soll die Polizei über Wochen hinweg beobachtet und deren Reaktionen auf seine Aktionen getestet haben. So soll er beispielsweise mit einer Spielzeugwaffe hantiert haben, um zu sehen, ob die Beamten einschreiten würden. Die Aufnahmen, die BILD vorliegen, zeigen, wie Ballout in den Tagen vor dem Anschlag mehrfach mit der Attrappe posierte und dabei offenbar darauf wartete, ob die Polizei reagieren würde.
Die Ermittler gehen davon aus, dass Ballout auf diese Weise herausfinden wollte, ob er unter ständiger Beobachtung stand. Offenbar gelang es ihm, die Überwachung zu umgehen, was letztlich zu dem verheerenden Anschlag am CSD führte. Die Frau, die bei dem Anschlag starb, wurde von dem Transporter erfasst und erlag noch am Unfallort ihren Verletzungen. Die 31 Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht, einige von ihnen schweben noch in Lebensgefahr.
Rätsel um sein Handy
Ein weiteres Rätsel gibt die Handynutzung von Ballout auf. Nach dem Anschlag wurde sein Mobiltelefon sichergestellt, doch die Ermittler stehen vor einem Problem: Die Daten auf dem Gerät sind offenbar verschlüsselt, und es gibt Hinweise darauf, dass Ballout mehrere Handys benutzt hat, um seine Spuren zu verwischen. Die Polizei versucht nun, die Kommunikation zu rekonstruieren, um mögliche Komplizen zu identifizieren.
„Wir gehen davon aus, dass er die Überwachung gezielt getestet hat, um seine Pläne ungestört umsetzen zu können“, erklärte ein Ermittler gegenüber BILD. „Die Spielzeugwaffe war ein Teil seiner Strategie, um herauszufinden, wie schnell wir reagieren.“ Die Aufnahmen zeigen, wie Ballout mehrfach die Waffe in der Öffentlichkeit zeigte, ohne dass die Polizei einschritt.
Zugriff und Konsequenzen
Der Zugriff auf Ballout erfolgte kurz nach dem Anschlag. Er wurde noch am Tatort festgenommen und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord sowie versuchten Mord in 31 Fällen vor. Zudem wird geprüft, ob eine Mitgliedschaft in der Terrororganisation IS vorliegt, da er in sozialen Netzwerken Sympathien für die Dschihadisten gezeigt hatte.
Der Anschlag hat bundesweit Debatten über die Sicherheitsmaßnahmen bei Großveranstaltungen ausgelöst. Der Berliner Senat kündigte an, die Sicherheitskonzepte zu überprüfen und die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verfassungsschutz zu intensivieren. Auch die Frage, ob der Gefährderstatus von Ballout hätte früher erkannt werden müssen, wird diskutiert. Der Innensenator sprach von einem „schweren Versagen“ und versprach Aufklärung.
Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei bittet Zeugen, die am Tatort verdächtige Beobachtungen gemacht haben, sich zu melden. Unterdessen wächst die Trauer um das Opfer, eine 42-jährige Berlinerin, die Mutter von zwei Kindern war. Am Rande des CSD wurden Blumen und Kerzen niedergelegt.



