Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweit erste einheimische Infektion mit dem West-Nil-Virus im Jahr 2026 bestätigt. Betroffen ist eine Person aus dem Rhein-Pfalz-Kreis in Rheinland-Pfalz. Die Ansteckung erfolgte höchstwahrscheinlich durch den Stich einer heimischen Stechmücke, wie die Kreisverwaltung mitteilte. Die Person sei nicht ansteckend und habe sich nicht im Ausland aufgehalten. Der Nachweis sei zufällig erfolgt, etwa im Rahmen einer Routineuntersuchung.
Erste autochtone Infektion des Jahres
Nach Angaben des RKI handelt es sich um die erste sogenannte autochtone Infektion in diesem Jahr – also eine Ansteckung im Inland ohne Reisebezug. Das West-Nil-Virus wird durch Stechmücken übertragen, die es von infizierten Vögeln aufnehmen. In Deutschland ist das Virus in Teilen bereits verbreitet. Eine Studie der Charité in Berlin zeigt, dass es sich in der Hauptstadtregion inzwischen fest etabliert hat.
Im Jahr 2025 wurden dem RKI zufolge lediglich vier Fälle von West-Nil-Fieber in Deutschland gemeldet, die im Inland erworben wurden. Weit mehr Deutsche infizierten sich im Ausland, etwa in südeuropäischen Ländern. Wissenschaftler gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Infektionen mild oder symptomlos verlaufen.
Übertragung und Symptome
Das Virus wird hauptsächlich von Stechmücken zwischen wildlebenden Vögeln übertragen. Die Mücken können jedoch auch Menschen infizieren. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln laut RKI eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung. Nur etwa jede 100. infizierte Person erkrankt schwer, beispielsweise mit einer Gehirnentzündung. Das West-Nil-Fieber heilt in der Regel komplikationslos aus, allerdings sind Spätfolgen bei schwer erkrankten Patienten relativ häufig.
Eine spezifische Therapie oder ein Impfstoff gegen das Virus existiert nicht. Die Behandlung erfolgt symptomatisch, das heißt, die Beschwerden werden gelindert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich wegen mehrerer Erkrankungen an West-Nil-Fieber in Südeuropa zu verstärkter Wachsamkeit aufgerufen.
Prävention und Schutzmaßnahmen
Das RKI empfiehlt in Gebieten mit bekannter Mückenbelastung, langärmelige Hemden und lange Hosen zu tragen. Insektenabwehrmittel, Moskitonetze und Fenstergitter können zusätzlich schützen. Auch die Beseitigung von Mückenbrutplätzen im Wohnumfeld ist wichtig: Stechmücken legen ihre Eier in stehenden Wasseransammlungen ab, etwa in Eimern, Untersetzern und verstopften Dachrinnen. Warme Sommertage mit gelegentlichem Regen bieten ideale Bedingungen für die Vermehrung der Insekten.
Die Gesundheitsbehörden vor Ort beobachten die Lage weiterhin genau. Der aktuelle Fall in Rheinland-Pfalz zeigt, dass das Risiko einer Ansteckung in Deutschland auch ohne Reise in Risikogebiete besteht. Reisende in südeuropäische Länder sollten ebenfalls die genannten Schutzmaßnahmen beachten, insbesondere in Regionen mit bekannten Ausbrüchen.



