Ob Ramadan oder das christliche Fasten zu Ostern – in vielen Kulturen und Religionen ist der Verzicht auf Nahrung seit jeher Brauch. Seit einigen Jahren versprechen sich viele Menschen jedoch auch einen Longevity-Effekt durch das Fasten. Doch kann uns das Fasten wirklich jünger machen? Darüber spricht der Ernährungsmediziner und Internist Andreas Michalsen im SPIEGEL-Podcast „Smarter leben“. Er leitet die Abteilung für Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin und sieht bei seinen Patienten die Effekte, die das Fasten etwa bei rheumatischen Erkrankungen oder Bluthochdruck haben kann. Gleichzeitig räumt er mit Mythen rund um Intervallfasten, Heilfasten und verschiedene Kuren auf.
Was passiert beim Nahrungsverzicht im Körper?
Im Podcast erklärt Michalsen, welche Vorgänge im Körper beim Fasten ablaufen. Ein zentraler Begriff ist die Autophagie, ein zellulärer Reinigungsprozess, der durch Nahrungsverzicht angeregt wird. Dabei werden beschädigte Zellbestandteile abgebaut und recycelt. Dieser Mechanismus wird mit einer verbesserten Zellgesundheit und potenziell längerer Lebensdauer in Verbindung gebracht. Allerdings warnt der Experte vor übertriebenen Erwartungen: „Fasten ist kein Wundermittel, aber es kann bei vielen Beschwerden unterstützend wirken“, so Michalsen.
Welche Fastenmethode passt zu wem?
Die Wahl der richtigen Methode hängt von den individuellen Zielen und der gesundheitlichen Verfassung ab. Für Einsteiger empfiehlt Michalsen das Intervallfasten, etwa die 16:8-Methode, bei der 16 Stunden gefastet und in einem 8-Stunden-Fenster gegessen wird. Diese Form sei leicht in den Alltag integrierbar. Das Heilfasten nach Buchinger, bei dem über mehrere Tage nur Flüssigkeit zugeführt wird, eigne sich eher für Menschen, die eine tiefgreifendere Reinigung anstreben. Das sogenannte Scheinfasten, eine kalorienreduzierte Diät über fünf Tage, simuliere die Effekte des Fastens, ohne völlig auf Nahrung zu verzichten – eine Option für Personen, die nicht komplett hungern möchten.
Wo lauern falsche Versprechen?
Michalsen betont, dass nicht jede Fastenkur für jeden geeignet ist. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Essstörungen sei Vorsicht geboten. Zudem warnt er vor Produkten, die schnelle Ergebnisse versprechen: „Viele sogenannte Detox-Kuren sind überteuert und wissenschaftlich nicht belegt.“ Stattdessen rät er, auf den eigenen Körper zu hören und sich gegebenenfalls ärztlich beraten zu lassen. Der Podcast gibt konkrete Tipps, wie Fasten sicher und effektiv umgesetzt werden kann.



