Eine groß angelegte Studie aus Taiwan hat den Zusammenhang zwischen körperlicher Fitness und psychischer Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen eindrucksvoll bestätigt. Die im Fachjournal „JAMA Pediatrics“ veröffentlichte Untersuchung zeigt: Je besser die Fitness von Schülern, desto geringer das Risiko, an Depressionen, Angststörungen oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu erkranken.
Fast vier Millionen Schüler untersucht
Die Forscher verknüpften zwei riesige Datensätze: einen zur Fitness von knapp vier Millionen Schülern und einen zu deren psychischer Gesundheit. Gemessen wurde die Fitness unter anderem durch 800-Meter-Läufe, Sit-ups, Rumpfbeugen und Standweitsprung. Das Ergebnis: Ein besserer Fitnesszustand war mit einem geringeren Risiko für spätere psychische Störungen verbunden. Die Wissenschaftler vermuten sowohl direkte Effekte über Stoffwechsel und Hirnentwicklung als auch indirekte über Körpergewicht, Schlaf und soziale Integration.
Appell an die Bildungspolitik
„Aus medizinischer Sicht ist es schwer verstehbar, dass der Sportunterricht an Schulen zunehmend in den Hintergrund rückt“, kommentiert Dr. Magnus Heier, Kolumnist des Tagesspiegels. Gerade in einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche durch Videospiele wie die Playstation eher sportliche Aktivitäten simulieren und sich sozial isolieren, sei echter Sport essenziell für Gesundheit und soziale Kontakte.
Bedeutung für Erwachsene
Obwohl die Studie nur Kinder und Jugendliche untersuchte, sei nicht ausgeschlossen, dass die Erkenntnisse auch für Erwachsene gelten, so Heier. Der lateinische Spruch „Mens sana in corpore sano“ – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – scheint damit auch wissenschaftlich untermauert.
Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit, den Sportunterricht in Deutschland wieder stärker zu gewichten. Angesichts steigender psychischer Belastungen bei jungen Menschen könnte dies ein einfacher und effektiver Ansatz sein, um die mentale Gesundheit zu fördern.



