Der Hausärzteverband hat Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) scharf kritisiert. Verbandschefin Nicola Buhlinger-Göpfarth warf der Ministerin vor, kein Interesse an der hausärztlichen Versorgung zu haben. „Die Ministerin ist auf dem Holzweg“, sagte sie dem „Spiegel“. Hintergrund ist das von Warkens Ministerium vorgelegte Gesundheitssparpaket, das nach Ansicht des Verbandes einseitig zu Lasten der Hausarztpraxen geht.
Hausarztpraxen als „blinder Fleck“ der Gesundheitspolitik
Buhlinger-Göpfarth kritisierte, dass Kliniken, Pharmaindustrie und Krankenkassen im Fokus der Regierung stünden, während die Hausarztpraxen „der blinde Fleck der Gesundheitspolitik“ seien. Die Kürzungen bei Hausärztinnen und Hausärzten seien als unvermeidbar dargestellt worden, andere Bereiche hingegen seien besser weggekommen. „Unsere Praxen kommen immer nur dann vor, wenn es darum geht, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen“, so die Verbandschefin. Dies ziehe sich wie ein roter Faden durch die Legislaturperiode – von der Notfallversorgung über die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung bis zum Primärversorgungssystem.
Sparpaket belastet Hausärzte überproportional
Das kürzlich beschlossene Sparpaket für die gesetzliche Krankenversicherung sieht unter anderem vor, dass Vergütungen in Hausarztpraxen stärker begrenzt werden. Ziel ist es, die gesetzlichen Krankenkassen bis 2027 von stark steigenden Ausgaben zu entlasten und neue Beitragserhöhungen zu verhindern. Der Hausärzteverband hält diesen Ansatz für falsch. „Wenn die Ministerin glaubt, dass man die hausärztlichen Praxen ignorieren kann, und man sie nur anruft, wenn es wieder kostenfreie Arbeit zu verteilen gibt, dann ist sie auf dem Holzweg“, sagte Buhlinger-Göpfarth.
Wiederkehrende Kritik an fehlender Wertschätzung
Der Verband beklagt seit langem, dass die Politik die Bedeutung der Hausarztpraxen für das Gesundheitssystem nicht ausreichend würdige. Stattdessen würden immer neue Aufgaben auf die Praxen abgewälzt, ohne angemessene finanzielle Gegenleistung. Die aktuelle Sparrunde sei ein weiteres Beispiel für diese Schieflage. „Die Ministerin zeigt überhaupt kein Interesse an der hausärztlichen Versorgung“, fasste Buhlinger-Göpfarth ihre Kritik zusammen.



