Langstreckenflüge könnten Darmflora negativ beeinflussen
Langstreckenflüge könnten Darmflora verändern

Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Medizinischen Universität Breslau deutet darauf hin, dass Langstreckenflüge über mehrere Zeitzonen das Darmmikrobiom verändern können. Dies könnte weitreichende Folgen für die Regeneration und Leistungsfähigkeit haben, insbesondere bei Sportlern, die häufig zu Wettkämpfen reisen müssen. Die Forscher werteten mehrere Studien aus und stellten fest, dass Jetlag nicht nur Schlaf und die innere Uhr beeinträchtigt, sondern auch die Zusammensetzung der Darmbakterien.

Schlaf und Darm reagieren auf Jetlag

Die Analyse zeigt, dass Langstreckenreisen den Körper mehrfach belasten. Bei Elite-Radfahrern wurde nach einzelnen Fernflügen kürzerer und schlechterer Schlaf beobachtet. Zudem fanden die Forscher Hinweise auf Stoffwechselveränderungen: In einer ausgewerteten Studie sank der Spiegel des Sättigungshormons Leptin um rund 17 Prozent, während Insulin- und Blutzuckerwerte anstiegen. Auch die Darmflora scheint auf Schlaf- und Rhythmusstörungen zu reagieren. Mehrere Untersuchungen ergaben geringere Mengen der als günstig geltenden Bakteriengattungen Lactobacillus und Bifidobacterium.

Bei 61 Prozent der internationalen Reisenden nahm zudem die Vielfalt der Darmflora nach der Reise ab. Gleichzeitig wurden häufiger potenziell problematische Bakterienstämme nachgewiesen. Laut den Autoren der Studie könnte dies die Anfälligkeit für Infektionen und Entzündungen erhöhen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Flüge gen Osten belasten stärker

Besonders deutlich sind die Unterschiede zwischen Reisen nach Osten und Westen. Sowohl Studien mit Sportlern, die die Wirkung einzelner Flüge untersuchten, als auch Analysen aus dem US-Profisport, wo Mannschaften innerhalb einer Saison sehr viel reisen, zeigen: Die Anpassung an neue Zeitzonen fällt nach Westflügen leichter als nach Ostflügen. Die menschliche innere Uhr läuft im Durchschnitt etwas länger als 24 Stunden. Deshalb kommt sie mit einer Verlängerung des Tages besser zurecht als mit einer Verkürzung. Nach Westflügen passt sich der Körper um etwa 1,5 Stunden pro Tag an, nach Ostflügen nur um rund eine Stunde.

Diese unterschiedliche Anpassungsfähigkeit spiegelt sich auch im Darm wider: Die Forscher fanden bei Ostflügen stärkere Verschiebungen in der Bakterienzusammensetzung als bei Westflügen. Dies könnte erklären, warum Sportler nach Reisen nach Osten häufiger über Verdauungsprobleme und Leistungseinbußen klagen.

Noch viele offene Fragen

Die Autoren betonen jedoch, dass viele Erkenntnisse aus Tierstudien oder kleinen Humanstudien stammen. Große Langzeitstudien, die Darmmikrobiom, Stoffwechsel und sportliche Leistung gemeinsam untersuchen, fehlen bislang. Deshalb ist noch unklar, was die Veränderungen für Sportler in der Praxis bedeuten. „Wir brauchen dringend mehr Forschung, um die genauen Mechanismen zu verstehen und Handlungsempfehlungen ableiten zu können“, so ein Sprecher der Medizinischen Universität Breslau. Bis dahin bleibt es Ratsam, nach Langstreckenflügen auf eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf zu achten, um die Darmflora zu unterstützen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration