Bis zu fünf Gramm Mikroplastik nehmen Menschen pro Woche mit dem Essen, Trinken und über die Atemluft zu sich. Die winzigen Kunststoffpartikel sind allgegenwärtig – in der Luft, im Wasser, in Lebensmitteln, im Gehirn und sogar in der Plazenta. Nun mehren sich Hinweise, dass Mikroplastik auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnte.
Mikroplastik in Hoden und Eierstöcken nachgewiesen
Forscher haben Mikroplastik in menschlichem Hodengewebe und in Eierstöcken gefunden. Die Partikel können sich dort anreichern und möglicherweise die Funktion der Fortpflanzungsorgane stören. Erste Studien deuten auf einen Zusammenhang mit sinkenden Spermienzahlen und einer abnehmenden Eizellreserve hin. „Wir sehen eine Korrelation zwischen der Belastung durch Mikroplastik und der Fruchtbarkeit“, erklärt die Wissenschaftlerin Susanne Donner. Allerdings ist das Mosaik an Studien noch lückenhaft, da es zehntausende verschiedene Kunststoffsorten gibt.
Mögliche Mechanismen der Schädigung
Die genauen Wirkmechanismen sind noch unklar. Diskutiert werden unter anderem Entzündungsreaktionen, oxidativer Stress und eine hormonelle Wirkung der Plastikpartikel. Mikroplastik kann Weichmacher und andere Chemikalien freisetzen, die als endokrine Disruptoren wirken. Diese Stoffe können das Hormonsystem durcheinanderbringen und so die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
Forscher fordern mehr Untersuchungen
Angesichts der weit verbreiteten Belastung fordern Experten dringend weitere Studien. „Wir müssen verstehen, wie Mikroplastik auf den Körper wirkt, insbesondere auf die Fortpflanzung“, betont Donner. Bislang fehlen Langzeitstudien am Menschen. Die Forschung steht noch am Anfang, doch die bisherigen Ergebnisse sind alarmierend.
Was Verbraucher tun können
Bis genauere Erkenntnisse vorliegen, empfehlen Experten, die Aufnahme von Mikroplastik zu reduzieren. Dazu gehört, Plastikverpackungen zu vermeiden, Leitungswasser zu trinken statt abgefülltem Wasser und Lebensmittel nicht in Plastikbehältern zu erhitzen. Auch der Verzicht auf Kosmetika mit Mikroplastik kann helfen. Gänzlich vermeiden lässt sich die Belastung jedoch nicht.



