Nacktschlafen: Ein Trend in heißen Nächten
Rund 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland schlafen regelmäßig nackt – Männer häufiger als Frauen und Ostdeutsche mehr als Westdeutsche. Dies ergab eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der dpa aus dem Jahr 2022. Doch was steckt hinter dem Trend? Ist Schlafen ohne Kleidung wirklich gesünder? Wir haben einen Schlafforscher und eine Hautärztin befragt.
Mehr Entspannung durch Nacktschlafen?
„Nicht generell“, sagt Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). „Wir haben jetzt wieder Hitzenächte. Da gibt es sicherlich Menschen, die spontan nackt schlafen.“ Entscheidend sei das Wohlgefühl: „Dann bin ich entspannt, gelassen, sozusagen cool. Das ist der Königsweg in einen guten Schlaf.“
Weniger Körpergeruch ohne Kleidung?
„Stimmt“, bestätigt Hautärztin Petra Ziegler vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). „Schweiß an sich ist geruchslos. Erst unter Verschluss, etwa von Kleidung, an der Schweiß anhaftet, haben Bakterien mehr Angriffsfläche. Sie zersetzen dann Eiweiße und Talg auf der Haut – so entsteht Körpergeruch.“ Der Mensch verliere nachts rund einen Dreiviertelliter Schweiß. Allerdings sei Körpergeruch nicht völlig unerwünscht: „Wir haben in unserem Körpergeruch ein Stück weit unsere DNA. Bei der Paarbindung spielt es eine Rolle, ob man sich riechen kann.“
Kalorienverbrauch im Schlaf
„Das hängt eher von der Schlafdauer ab“, erklärt Weeß, Leiter der schlafmedizinischen Abteilung des Pfalzklinikums Klingenmünster. „Wenn ich im Schlafdefizit bin, verbrauche ich nicht so viel Energie. Lange zu schlafen ist gut für den Kalorienverbrauch, weil wir Leptin ausschütten.“ Dieses Sättigungshormon werde in Fettzellen produziert. Mehr Kalorienverbrauch in kühlerer Umgebung sei zwar plausibel, da der Körper mehr Energie zum Warmhalten benötige, „aber das ist körperlicher Stress – und dann schläft man schlechter.“
Enge Nachtwäsche als Risiko für Infektionen
„Wir sollten möglichst auch ohne Nacktschlafen keine engen synthetischen Unterhosen tragen“, rät Hautärztin Ziegler. „Nachtwäsche muss dem Genitalbereich Luft zum Atmen lassen. Sonst freut sich der Hefepilz Candida albicans.“ Dies könne zu Vaginalinfektionen führen. Auch eine geringere Spermienproduktion sei erwiesen: „Spermien lieben es kühl.“
Nacktschlafen und Paarbindung
„Das ist durchaus möglich“, sagt Ziegler zur Frage, ob Nacktschlafen das Sexy-Feeling steigere. „Die Haut ist mit bis zu zwei Quadratmetern unser größtes Sinnesorgan. Nackt schlafen kann positive sinnliche Empfindungen auslösen.“ Selbst ohne sexuellen Kontext sei es gut für die Paarbindung: „Bei Hautberührung wird vermehrt das Kuschelhormon Oxytocin gebildet. Das erhöht die Paarzufriedenheit und schüttet Endorphine aus – Glückshormone.“
Vorsicht vor Zugluft und Verspannungen
„Nicht ausgeschlossen, dass man sich leichter verkühlt“, warnt Schlafforscher Weeß. „In Hitzenächten stehen Fenster auf Durchzug oder ein Ventilator läuft. Da muss man aufpassen. Auch muskuläre Verspannungen sind möglich.“
Hautfalten und Hygiene
„Bakterien haben wir immer auf der Haut“, erläutert Ziegler. „Wir leben mit Millionen von ihnen in Harmonie.“ Bei übermäßiger Vermehrung könnten sie jedoch Probleme verursachen. „Diese Hautfaltenproblematik haben wir tagsüber im Sommer ebenfalls. Grundsätzlich hilft Zinkpaste, die Feuchtigkeit blockiert und entzündungshemmend wirkt.“ Wer ohne Kleidung schlafe, müsse auf Hygiene achten: „Schweiß geht in Laken und Bettwäsche. Deshalb sollte man die Bettwäsche doppelt so oft wechseln – etwa einmal pro Woche. Sonst müffelt das Bett.“ Bei Hausstaubmilbenallergie empfiehlt sich ein Encasing. „Nur Menschen mit Neurodermitis würde ich immer Nachtwäsche empfehlen, ebenso bei offenen Wunden. Im Sommer sind Naturmaterialien wie Seide oder feine Baumwolle hilfreich.“



