Nach fünf Jahren völliger Dunkelheit erlebte Elena in Turin ein medizinisches Wunder: Chirurgen verhalfen ihr durch eine neuartige Operation in einem sechsstündigen Eingriff wieder zum Sehvermögen. Die Frau, deren beide Augen schwer geschädigt waren, kann nach der Premiere dieses Verfahrens erstmals seit Jahren die Umrisse ihres Sohnes und ihrer Hündin Joe erkennen.
Einzigartiger Eingriff in Turin
Die Operation fand im Universitätsklinikum Turin statt und stellte eine weltweit einmalige Kombination von Transplantationen dar. Aus den beiden stark beschädigten Augen der Patientin entnahmen die Chirurgen gesunde Gewebeteile und setzten sie zu einem funktionsfähigen Auge zusammen. Dabei wurden unter anderem Teile der Hornhaut, der Netzhaut und der Linse transplantiert.
Professor Giovanni Rossi, der leitende Chirurg, erläuterte: „Wir haben Teile des Auges, die noch intakt waren, aus dem einen Auge entnommen und in das andere verpflanzt. So konnten wir aus zwei defekten Organen ein sehendes machen.“ Die Operation dauerte sechs Stunden und verlief ohne Komplikationen.
Erste Blicke nach Jahren der Dunkelheit
Elena, die ihren vollen Namen nicht nennen möchte, litt an einer seltenen degenerativen Augenerkrankung, die innerhalb weniger Jahre zur völligen Erblindung führte. Nach der Operation musste sie mehrere Tage verbringen, bevor sie ihre Augen öffnen konnte. Der Moment, als sie zum ersten Mal ihren Sohn und ihren Hund sah, sei überwältigend gewesen: „Ich konnte kaum glauben, dass ich wirklich etwas sehe. Die Umrisse waren noch unscharf, aber ich erkannte sie sofort.“
Nach Angaben der Klinik hat sich das Sehvermögen in den folgenden Wochen kontinuierlich verbessert. Elena könne mittlerweile Gesichter erkennen und sich in vertrauter Umgebung orientieren. Die Ärzte rechnen mit einer weiteren Steigerung der Sehschärfe.
Auswirkungen auf das Leben
Für Elena bedeutet die wiedererlangte Sehkraft eine enorme Steigerung der Lebensqualität. Sie kann nun alltägliche Dinge wie Lesen oder das Erkennen von Hindernissen selbstständig bewältigen. Ihr Sohn berichtete, dass sie nun wieder alleine spazieren gehen könne, ohne sich an seiner Hand festhalten zu müssen. Die Familie hofft, dass Elena bald wieder ihren Beruf als Grafikerin ausüben kann, den sie aufgrund der Blindheit aufgeben musste.
Die Ärzte betonen, dass der Eingriff nicht für alle Blinden geeignet ist. Voraussetzung sei, dass in beiden Augen noch ausreichend funktionsfähiges Gewebe vorhanden ist, das kombiniert werden kann. Dennoch eröffne die Technik neue Perspektiven für Patienten mit beidseitiger schwerer Augenschädigung.



