Osteopathie bei Kreuzschmerzen: Neue Studie zeigt keinen Nutzen
Osteopathie bei Kreuzschmerzen: Kein klarer Nutzen

Alternative Methode auf dem Prüfstand: Hilft Osteopathie bei Kreuzschmerzen?

Osteopathie ist eines der beliebtesten alternativen Verfahren bei Schmerzen im unteren Rücken. Doch ob sie auch wirkt, ist hochumstritten. Was nun eine neue wissenschaftliche Analyse sagt. Von Julian Aé

Rückenschmerzen können extrem belastend sein. In Deutschland führen Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems laut dem Dachverband der Betriebskrankenkassen sogar zu den meisten Fehlzeiten im Job. Am häufigsten sind dabei Kreuzschmerzen, also Beschwerden im unteren Rücken. Viele Betroffene setzen bei der Therapie von Hexenschuss und Co. nicht nur auf etablierte Ansätze wie Physiotherapie oder Schmerzmittel, sondern nutzen auch alternativmedizinische Methoden wie Osteopathie. Bei diesem Verfahren werden die umliegenden Muskeln, Faszien und Gelenke oft durch Handgriffe gelöst und bewegt.

Ob Osteopathie jedoch tatsächlich wirksam ist, wird seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. Nun liefert ein neuer Evidenzbericht des IGeL-Monitors eine ernüchternde Zusammenfassung. Der IGeL-Monitor ist ein Gesundheitsportal des Medizinischen Dienstes des Bundes und bewertet sogenannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) nach wissenschaftlichen Standards. Das Fazit der Expertinnen und Experten: Aus den untersuchten Studien und wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten kann kein klarer Nutzen der Methode bei Kreuzschmerzen abgeleitet werden.

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Einzelne Studien zeigten zwar eine Verbesserung bei Schmerz oder Beweglichkeit – aber diese Studien waren methodisch schwach und die Ergebnisse daher wenig verlässlich. Die größten und besten Untersuchungen fanden keinen überzeugenden Vorteil gegenüber einer Scheinbehandlung. Außerdem vermuten die Autorinnen und Autoren des Berichts, dass bei einer zentralen Übersichtsarbeit ein sogenannter Publikationsbias dazu geführt haben könnte, dass positive Effekte überbewertet wurden. Ein Publikationsbias kann auftreten, wenn Studien mit negativem Ergebnis nicht veröffentlicht und somit nicht in größeren Analysen berücksichtigt werden können.

Daniel Belavy, Professor im Studienbereich Physiotherapie der Hochschule Bochum, findet noch deutlichere Worte. Aus seiner Sicht hätte man in Anbetracht der Gesamtevidenz zu dem Schluss kommen müssen, dass Osteopathie im Vergleich zu Schein- oder Placebo-Behandlungen nicht wirksamer ist. „Oder bestenfalls, dass sie im Vergleich zu einem Placebo einen kleinen, aber klinisch nicht bedeutsamen Effekt hat“, sagte Belavy gegenüber dem Science Media Center.

Keine staatlich geregelte Ausbildung

Es könne laut Belavy sein, dass Osteopathie Menschen anspreche, die sich von konventionelleren Ansätzen möglicherweise nicht gehört oder verstanden fühlten, „aber auf Basis der Evidenz sollte die Osteopathie nicht von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen [...] unterstützt werden.“ Laut Lucia Gassner, Senior Researcher am Austrian Institute for Health Technology Assessment, bedeuten die Ergebnisse hingegen nicht, dass die Osteopathie im Versorgungsalltag nutzlos ist. „Zuwendung, therapeutische Beziehung und Erwartungseffekte können für Patient:innen realen Nutzen haben.“ Zudem hätten sich in eigenen Untersuchungen keine Hinweise auf Sicherheitsrisiken ergeben. Das Fazit des IGeL-Monitor-Berichts reflektiere laut Gassner eine Evidenzlücke, keine Negativaussage – das sei „eine gesundheitspolitisch unbequeme Konstellation“. Letztlich brauche man bessere Studien und „öffentlich geförderte, industrieunabhängige Forschung“, um versorgungsrelevante Entscheidungen zu unterstützen.

Unter Osteopathie werden oft verschiedene Strömungen zusammengefasst, die auf den US-amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still zurückgehen. Manche Varianten verwenden dabei Erklärungsmodelle und Praktiken, die wissenschaftlich unplausibel sind oder sogar esoterisch anmuten. In Deutschland werden osteopathische Behandlungen in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die Anwendung ist Ärztinnen, Heilpraktikern sowie unter bestimmten Bedingungen Physiotherapeuten vorbehalten. Es gibt jedoch keine staatlich geregelte Ausbildung und keine einheitliche Qualitätskontrolle.

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