Protest vor dem Potsdamer Landtag: Ein leeres Pflegebett als Symbol
Mit einem leeren Pflegebett vor dem Potsdamer Landtag haben Brandenburgs Wohlfahrtsverbände am Montag ein deutliches Zeichen gesetzt. Sie warnen vor den fatalen Folgen der bundesweiten Pflegereform, die ihrer Ansicht nach die häusliche Pflege massiv gefährdet. „Ich weigere mich, von einer Reform zu sprechen“, sagte Andreas Becker, Geschäftsführer des Evangelischen Verbands für Altenarbeit und pflegerische Dienste (EVAP).
Unterversorgung droht: Heimbetreuung statt selbstbestimmtem Leben
Die Verbände befürchten, dass Pflegebedürftige künftig immer seltener zu Hause versorgt werden können. „Wenn kein Pflegedienst mehr kommt, bleibt nur der Umzug ins Pflegeheim“, so Becker. Das führe zu einem sprunghaften Anstieg der stationären Pflege und belaste die Kommunen sowie die Pflegekassen zusätzlich. Nach aktuellen Zahlen wäre jede fünfte pflegebedürftige Person in Brandenburg von einer Unterversorgung betroffen, wenn sich die Lage nicht bessert.
Reform verschärft Personalmangel in der ambulanten Pflege
Die Wohlfahrtsverbände kritisieren, dass die Pflegereform des Bundes die wirtschaftliche Situation der ambulanten Dienste verschlechtere. Statt Entlastung bringe sie höhere bürokratische Hürden und unzureichende Vergütungen. „Die Reform ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt“, betonte Becker. Die Folge: Immer mehr Pflegedienste stellten ihre Arbeit ein oder nähmen keine neuen Klienten mehr auf. In ländlichen Regionen Brandenburgs sei die Versorgungslücke bereits jetzt spürbar.
Stationäre Pflege als teure Notlösung
Ohne funktionierende häusliche Pflege steigen die Kosten für die Gesellschaft massiv. Ein Pflegeheimplatz ist im Durchschnitt doppelt so teuer wie die Betreuung zu Hause. Die Verbände fordern daher eine sofortige Korrektur der Reform. „Es braucht eine echte Reform, die die pflegerische Infrastruktur stärkt und nicht schwächt“, so Becker. Zudem müsse der Beruf des Pflegefachpersonals attraktiver werden, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Landespolitik gefordert: Brandenburg muss handeln
Die Wohlfahrtsverbände appellieren an die Brandenburger Landesregierung, sich auf Bundesebene für Nachbesserungen einzusetzen. Ohne Gegenmaßnahmen drohe eine „Zweiklassenpflege“: Wer sich einen Pflegedienst leisten könne, werde versorgt, alle anderen müssten ins Heim. Die Aktion vor dem Landtag soll den Druck auf die Politik erhöhen, bevor die nächste Reformstufe in Kraft tritt.



