Die Notfallversorgung im Landkreis Aichach-Friedberg verlässt sich nicht nur auf Rettungswagen. In bestimmten Situationen übernimmt ein Rettungshubschrauber den Transport. Doch wann genau kommt die Maschine? Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit die Besatzung alarmiert wird? Diese Fragen beantwortet ein Blick auf die Arbeitsweise der Integrierten Leitstelle.
Die Alarmierung eines Rettungshubschraubers erfolgt nicht willkürlich. Fachleute in der Leitstelle beurteilen jeden Anruf anhand eines Notrufstichwortkatalogs. Sie vergeben eine bestimmte Priorität, die bestimmt, ob der Helikopter parallel zum Rettungswagen startet. Schwere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen, Reanimationen, Schlaganfälle mit Bewusstlosigkeit oder eine schwere Atemnot zählen zu den klassischen Alarmierungsgründen.
Auch die räumliche Situation spielt eine Rolle. In weiten Teilen des Wittelsbacher Landes sind die Fahrzeiten des Rettungsdiensts zu den nächsten Kliniken vergleichsweise lang. Ein Helikopter kann die Zeit bis zur notärztlichen Versorgung deutlich verkürzen. Wenn das nächste Notarzteinsatzfahrzeug bereits gebunden ist, kann die Luftrettung eine sinnvolle Ergänzung sein.
Die Integrierte Leitstelle in Augsburg nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein: Sie ist für den gesamten Großraum zuständig. Sie koordiniert, ob der Hubschrauber von seinem Standort in Augsburg startet oder ein anderes Luftfahrzeug aus der Region anfordert wird. Grundsätzlich gilt: Ein Rettungshubschrauber ist kein Ersatz für den Bodenrettungsdienst, sondern eine Ergänzung – insbesondere bei zeitkritischen Notfällen.
Entscheidungskriterien im Detail
Die Entscheidungsmatrix der Leitstelle stützt sich auf mehrere Säulen. Die wichtigste ist die medizinische Einschätzung des Notrufmelders. Wird eine lebensbedrohliche Lage geschildert, wird die höchste Alarmstufe ausgelöst. Sicherheitshalber wird dann schon angeräumt, bevor alle Details geklärt sind. Das spart Minuten.
Zweitens berücksichtigen die Disponenten die Verkehrslage. Staus, die zu langen Anfahrtszeiten führen, können den Rettungshubschrauber ins Spiel bringen. Bei Großschadenslagen ist der Koordinator angehalten, die Luftrettung als zusätzliches Einsatzmittel einzusetzen.
Drittens ist die Verfügbarkeit entscheidend. Der Augsburger Rettungshubschrauber fliegt während der Tagesstunden und in den Sommermonaten teilweise bis in die Abenddämmerung. Außerhalb dieser Zeiten muss das System auf bodengebundene Notärzte umstellen. Nachtflüge sind nur an bestimmten Standorten und mit hohen Sicherheitsauflagen möglich.
Typische Notfallbilder
Statistiken von Luftrettungsstandorten zeigen, dass internistische Notfälle den größten Anteil ausmachen. Herz-Kreislauf-Stillstand, Herzinfarkt und schwere Lungenembolie stehen vorn. Das liegt daran, dass diese Patienten sofortige Medikamente und eine optimierte Versorgung benötigen, die der Notarzt direkt am Boden leisten kann.
Traumatologische Notfälle – also Unfälle mit schweren Verletzungen – folgen an zweiter Stelle. Auf den Autobahnen und Bundesstraßen im Landkreis kommt es immer wieder zu Auffahrunfällen oder Überschlägen. Der Rettungshubschrauber bringt dann nicht nur den Notarzt, sondern auch spezialisiertes Equipment wie Absaugpumpen und Infusionslösungen zur Unfallstelle.
Zusammenarbeit mit dem Bodendienst
Vor Ort arbeiten die Helikopterbesatzung und der Rettungsdienst Hand in Hand. Der Notarzt aus dem Helikopter übernimmt die medizinische Leitung, sobald er den Patienten sieht. Der Rettungswagen transportiert bei Bedarf weitere Einsatzkräfte oder Material. Wenn der Patient stabilisiert ist, entscheidet die Crew gemeinsam mit dem Leitstellenarzt, welches Krankenhaus das richtige ist – oft sind das Level-1-Schwerpunktkliniken in Augsburg, München oder Ingolstadt.
Die Vorbereitung für den Flug dauert nur wenige Minuten. Der Pilot wählt einen geeigneten Landeplatz in der Nähe des Unfallorts, oft eine Wiese oder einen Parkplatz. Die Leitstelle informiert die örtliche Polizei, die den Landeplatz absichert. Diese Routineabläufe sind einstudiert und werden regelmäßig geübt.
Grenzen des Helikoptereinsatzes
Ein Einsatzhubschrauber ist an Bedingungen geknüpft. Bei Nebel, starkem Wind oder Gewitter bleibt er am Boden. Die Sichtflugregeln verbieten Flüge bei unzureichender Sicht. Dann greift die Bodenrettung, die Notärzte rücken mit Blaulicht aus. Eine Verlegung per Helikopter kann dann nicht stattfinden; die Verantwortlichen weichen auf die Intensivstation im nächstgelegenen Krankenhaus aus.
Auch die Landeplätze selbst sind eine Herausforderung. In dicht bebauten Orten muss ein geeignetes Areal verfügbar sein. Die Leitstelle prüft anhand von Geodaten, ob sie einen geeigneten Punkt ansteuern kann. Im Zweifel wird eine nahe gelegene Bundesstraße für die Landung gesperrt.
Landesweite Strategie
Die Vorhaltung von Rettungshubschraubern ist Teil der bayerischen Luftrettungsstrategie. In Bayern sind zahlreiche Stationen verteilt, um in jedem Landkreis eine minimale Eintreffzeit zu gewährleisten. Für Aichach-Friedberg bedeutet das: Im Normalfall erreicht die Luftrettung in unter 15 Minuten jeden Ort im Landkreis – sofern die Wetterlage mitspielt.
Die Ausbildung der fliegerischen Besatzung ist ebenfalls streng geregelt. Notärzte für die Luftrettung absolvieren neben der fachlichen Weiterbildung ein spezielles Training für die Arbeit unter räumlichen Einschränkungen. Sie trainieren den Umgang mit Höhenangst, engen Kabinenverhältnissen und speziellen Rettungstechniken.
Fazit
Der Rettungshubschrauber in Aichach-Friedberg ist ein ambulantes Intensivbett, das von der Leitstelle punktgenau angefordert wird. Ob er startet, hängt von medizinischen Standards, der Geografie und dem Wetter ab. Wer selbst in einen Notfall gerät, sollte unbedingt den Notruf 112 wählen und nicht selbst entscheiden, ob ein Helikopter nötig ist – das übernehmen die geschulten Disponenten.



