Gesundheitsreform: Ärztin warnt vor höherer Kindersterblichkeit
Ärztin warnt vor höherer Kindersterblichkeit

Die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung könnte nach Einschätzung einer bayerischen Frauenärztin zu einer höheren Kindersterblichkeit führen. Dr. med. Susanne Weidenbach, die in Augsburg eine Praxis für Frauenheilkunde und Geburtshilfe betreibt, warnt vor den Folgen der geplanten Klinikschließungen und des Abbaus von Geburtshilfe-Abteilungen. „Wenn wir die Geburtshilfe weiter ausdünnen, werden wir mehr Komplikationen bei Geburten haben und letztlich auch mehr Todesfälle von Säuglingen“, sagte sie der Augsburger Allgemeinen.

Kritik an Kliniksterben und Zentralisierung

Hintergrund ist der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) zur Krankenhausreform. Dieser sieht vor, dass kleinere Kliniken auf dem Land künftig nur noch als sogenannte „Level-Ii“-Einrichtungen geführt werden dürfen, wenn sie bestimmte Mindestmengen bei Operationen und Geburten nicht erreichen. Viele kleine Geburtsstationen in Bayern wären davon betroffen. Laut einer Studie der Krankenkasse Barmer könnten bis zu 60 Prozent der derzeit rund 600 Geburtskliniken in Deutschland geschlossen werden.

Die Ärztin befürchtet, dass schwangere Frauen dann weite Wege in Kauf nehmen müssten. „Eine werdende Mutter, die im Landkreis wohnt, muss im Ernstfall bis zu 100 Kilometer bis zur nächsten Geburtsklinik fahren. Das ist lebensgefährlich“, erklärte Weidenbach. Sie verwies auf Studien, die zeigen, dass längere Anfahrtswege zu einer erhöhten Rate an Komplikationen wie Notsectios und kindlichen Sauerstoffmangels führen.

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Befürchtungen um die Versorgungssicherheit

Die Frauenärztin forderte die Politik auf, die Pläne zu überarbeiten. „Die Versorgungssicherheit für Mutter und Kind muss oberste Priorität haben. Wir dürfen nicht aus rein wirtschaftlichen Gründen die Geburtshilfe aufs Spiel setzen.“ Sie verwies auf positive Beispiele wie das Geburtshaus in Augsburg, das eine wohnortnahe Versorgung ermöglicht.

Auch der Bayerische Landkreistag und der Bayerische Städtetag kritisierten die Reformpläne. Sie fürchten um die flächendeckende medizinische Versorgung im Freistaat. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) nannte die Pläne „unausgegoren“ und forderte Nachbesserungen. „Die Krankenhausreform darf nicht dazu führen, dass gerade im ländlichen Raum die medizinische Grundversorgung zusammenbricht“, so Gerlach.

Proteste und Alternativen

Bereits im Vorfeld hatten Ärzteverbände und Klinikbetreiber gegen die Reform protestiert. Der Marburger Bund sprach von einem „Kahlschlag“ bei den Kliniken. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnte vor einer „Zweiklassenmedizin“. Als Alternative schlägt die Frauenärztin vor, kleinere Kliniken zu spezialisierten Zentren für Geburtshilfe auszubauen oder mobile Geburtshilfeeinheiten einzusetzen. „Es gibt viele kreative Lösungen, wenn man den Willen hat“, sagte sie.

Die Reform ist Teil der geplanten Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Neuordnung der Kliniklandschaft. Lauterbach will mit der Reform die Qualität der Behandlung verbessern und die wirtschaftliche Lage vieler Kliniken stabilisieren. Die endgültige Entscheidung im Bundestag steht noch aus.

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