Vibrionen in der Ostsee können zu schweren Wundinfektionen und Blutvergiftungen führen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem, offenen Wunden oder Lebererkrankungen. Das RKI meldet jährlich bis zu 20 Fälle.
Was sind Vibrionen und warum sind sie gefährlich?
Vibrionen sind Bakterien, die natürlicherweise in Salzwasser vorkommen. In der Ostsee ist vor allem die Art Vibrio vulnificus verbreitet, während der Cholera-Erreger Vibrio cholerae dort nicht heimisch ist. Bei Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius vermehren sich die Bakterien besonders stark, begünstigt durch den Klimawandel und den geringen Salzgehalt der Ostsee. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg-Vorpommern warnt: „Bei den aktuell herrschenden Wassertemperaturen ab etwa 20 Grad Celsius muss jetzt generell in der Ostsee mit einem vermehrten Vorkommen an Vibrionen gerechnet werden.“
Infektionen können entweder durch den Verzehr von infizierten Meeresfrüchten oder Fisch auftreten, was zu Erbrechen und Durchfall führt. Allerdings reicht ausreichendes Erhitzen der Lebensmittel aus, um die Erreger abzutöten. Gefährlicher ist der Kontakt über offene Wunden: Gelangen Vibrionen in den Körper, können sie sich schnell ausbreiten und zu tiefgreifenden Gewebeschäden, Nekrosen und Geschwüren führen. Typische Symptome sind lokale Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost. Im schlimmsten Fall drohen Blutvergiftungen, chirurgische Eingriffe bis hin zur Amputation betroffener Gliedmaßen und sogar der Tod.
Vier Personengruppen mit erhöhtem Risiko
Grundsätzlich kann sich jeder mit Vibrionen infizieren, der mit einer offenen Wunde – selbst einer kleinen Schürfwunde – ins Wasser geht oder sich dort verletzt. Das Risiko einer schweren Infektion ist für gesunde Menschen jedoch gering. Anders sieht es bei bestimmten Risikogruppen aus:
- Hohes Alter
- Geschwächtes Immunsystem
- Offene Wunden oder frische Tattoos
- Vorerkrankungen wie Lebererkrankungen, Diabetes mellitus oder Immunschwächen nach Transplantationen oder durch HIV
Bei jungen, gesunden Menschen sind schwere Verläufe äußerst selten. Kinder können sich gelegentlich eine meist harmlose Ohrinfektion zuziehen. Ein tragischer Fall ereignete sich zuletzt in Warnemünde, wo ein 33-Jähriger nach einem Badeunfall in der Ostsee starb – vermutlich infolge einer Vibrionen-Infektion.
Wie häufig sind Vibrionen-Infektionen?
Trotz der potenziellen Gefahr sind Infektionen selten. Der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands weist darauf hin: „Dem RKI wurden laut eigenen Angaben jährlich bis zu 20 Fälle an deutschen Küsten zwischen den Jahren 2002 und 2019 bekannt.“ Damit besteht kein Grund zur Panik. Für die meisten Menschen ist das Baden in der Ost- und Nordsee unbedenklich. Lediglich Angehörige der Risikogruppen sollten sich vor dem Sprung ins Wasser über die aktuelle Vibrionenbelastung informieren und bei hohen Temperaturen gegebenenfalls auf das Baden verzichten oder Wunden sorgfältig abdecken.



