In Thüringen besteht weiterhin eine unzureichende zahnärztliche Versorgung für pflegebedürftige Menschen, obwohl es in den letzten Jahren Verbesserungen gab. Die Krankenkasse Barmer meldet, dass besonders bei Vorsorgeuntersuchungen große Lücken klaffen. Landesgeschäftsführer Robert Büssow bezeichnete die Situation als „dramatische Unterversorgung“ und forderte mehr Aufklärung sowie Kooperationsvereinbarungen zwischen Pflegeheimen und Zahnarztpraxen.
Vorsorgequoten bleiben niedrig
Nach Daten der Barmer erhielten im Untersuchungszeitraum nur knapp 39 Prozent der stationär gepflegten Thüringer und lediglich knapp sechs Prozent der ambulant oder zu Hause versorgten Pflegebedürftigen zahnärztliche Präventionsleistungen. Diese Werte liegen im Bundesvergleich zwar im oberen Viertel, dennoch kritisierte Büssow: „Das vermeintliche Nischenthema hat eine große soziale Relevanz.“ Ältere Menschen hätten einen besonderen zahnmedizinischen Betreuungsbedarf.
Ein Drittel der Pflegebedürftigen ohne Zahnarztkontakt
Im Jahr 2024 hatten rund 83 Prozent der Thüringer Bevölkerung mindestens eine Zahnarztbehandlung. Bei ambulant pflegebedürftigen Menschen lag dieser Anteil bei 66,3 Prozent, bei Heimbewohnern bei 63,5 Prozent. „Etwa ein Drittel der Menschen mit Pflegebedarf sieht einen Zahnarzt im Jahr“, resümierte Büssow. Die Barmer stützt ihre Analyse auf Abrechnungsdaten von 120.000 Versicherten ab 65 Jahren über einen Zeitraum von zwölf Jahren.
Kooperationsvereinbarungen: Fortschritte, aber zu langsam
Von den rund 360 Pflegeheimen in Thüringen haben laut Barmer nur etwa 219 eine Kooperationsvereinbarung mit einer Zahnarztpraxis. Zwar stieg die Zahl in den vergangenen Jahren, aber nur zögerlich. 2019, als zusätzliche Anreize für solche Verträge geschaffen wurden, hatten 181 Pflegeeinrichtungen eine entsprechende Vereinbarung. „Pflegebedürftige Menschen dürfen beim Zugang zu zahnärztlicher Vorsorge nicht abgehängt werden“, forderte Büssow. Sowohl Pflegeeinrichtungen als auch Zahnärzte müssten für Verbesserungen sorgen.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Der Ruhlaer Zahnarzt Paul Al-Burghol wies auf die besonderen Schwierigkeiten bei Behandlungen im Bett hin, sowohl für den Patienten als auch den Arzt. Zudem bestehe bei älteren Menschen oft eine Diskrepanz zwischen tatsächlichem Behandlungsbedarf und Behandlungswunsch. Besonders schwer seien Patienten zu erreichen, die zu Hause gepflegt werden. Al-Burghol verwies auf Pilotprojekte mit mobilen Behandlungszimmern in anderen Bundesländern. Er äußerte die Hoffnung, dass ein solcher mobiler Behandlungsraum spätestens im Frühjahr 2027 auch in Thüringen getestet werden könne.
Mundgesundheit hat Auswirkungen auf den ganzen Körper
Probleme bei der Mundgesundheit können schwerwiegende Folgen haben. Kaputte Zähne, schlecht sitzende Prothesen oder Zahnfleischentzündungen erschweren das Kauen und Schlucken. Dies kann zu Mangelernährung, Gewichtsverlust oder allgemeiner Schwäche führen. Eine verbesserte zahnärztliche Versorgung für Pflegebedürftige ist daher nicht nur eine Frage der Mundhygiene, sondern hat direkten Einfluss auf die Gesamtgesundheit der Betroffenen.
Die Barmer ruft dazu auf, die bestehenden Versorgungslücken durch gezielte Maßnahmen zu schließen. Neben mehr Kooperationsverträgen zwischen Heimen und Zahnärzten sei auch eine bessere Aufklärung der Pflegekräfte und Angehörigen über die Bedeutung der Mundgesundheit notwendig. Erst wenn diese Schritte umgesetzt seien, könne die zahnmedizinische Betreuung von Pflegebedürftigen in Thüringen nachhaltig verbessert werden.



