Ab heute werden in Gelsenkirchen rund 30 Schließfachbesitzer zwangsweise vorgeführt. Das hat die Staatsanwaltschaft Essen angeordnet, wie die Polizei Gelsenkirchen auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Beim Einbruch in die Sparkasse gab es Tausende Geschädigte; rund 30 Schließfachinhaber haben bislang nicht auf Vorladungen reagiert.
Die zwangsweise Vorführung ist die letzte Möglichkeit, die säumigen Zeugen zu befragen. Nach Informationen der Polizei sind in der überwiegenden Mehrzahl der mehr als 3000 Fälle die Vernehmungen mittlerweile abgeschlossen. Nur eine kleine Gruppe von rund 30 Personen habe die Termine nicht wahrgenommen, so die Behörde.
Hintergrund: Einbruch als Jahrhundertcoup
Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Unbekannte Täter hatten Ende Dezember 2025 den Tresorraum einer Sparkasse in Gelsenkirchen angegriffen und mehr als 3000 Schließfächer aufgebrochen. Nach Schätzungen der Ermittler entstand dabei ein Schaden in zwei- oder sogar dreistelliger Millionenhöhe. Der Einbruch wurde als möglicher Jahrhundertcoup bezeichnet.
Die Täter waren durch ein von ihnen gebohrtes Loch in den Archivraum der Bank gelangt. Von dort aus öffneten sie systematisch die Schließfächer. Der Einbruch blieb lange unbemerkt – obwohl die Täter offenbar über mehrere Tage oder sogar Wochen hinweg arbeiteten. Details zu ihrem Vorgehen und ihrer Identität sind weiterhin unklar.
Die Polizei Gelsenkirchen hat seit dem Aufbruch der Schließfächer insgesamt 650 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Zur Qualität der Hinweise und zum aktuellen Stand der Fahndung macht die Behörde keine Angaben.
Schadensausgleich: Maximal 10.300 Euro pro Fach
Für die vielen betroffenen Kunden hat die Sparkasse Anfang Juli mit der Auszahlung von Schadensausgleichszahlungen begonnen. Wie die Bank betonte, werden maximal 10.300 Euro pro Schließfach ausgezahlt, sofern im Mietvertrag keine höheren Summen vereinbart wurden. Damit will das Geldinstitut zumindest einen Teil der Verluste abfedern.
Die Auszahlung erfolgt nach Prüfung der eingereichten Unterlagen. Wer Wertgegenstände oder Bargeld verloren hat, muss den Verlust dokumentieren. Die Sparkasse empfiehlt den Kunden, sich bei offenen Fragen an ihre Filiale zu wenden. Die genaue Höhe des Gesamtschadens ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.
Zwangsvorführung: Das erwartet die Betroffenen
Die zwangsweise Vorführung wird von der Polizei in der Regel ohne vorherige Ankündigung vollstreckt. Die Betroffenen werden zur Vernehmung gebracht und müssen mit Maßnahmen bis hin zu einer vorübergehenden Ingewahrsamnahme rechnen, wenn sie sich widersetzen. Die Staatsanwaltschaft Essen wollte nicht mitteilen, ob bereits am heutigen Morgen Einsätze erfolgt sind.
Der Fall zeigt, wie schwierig es für die Behörden ist, nach einem Einbruch dieser Dimension alle Beteiligten zu erreichen. Viele Schließfachbesitzer hatten möglicherweise Angst vor Konsequenzen oder wollten nicht aussagen. Für die Ermittler ist jedoch jede Aussage wichtig, um die Täter zu überführen und die Hintergründe der Tat aufzuklären.
Bis die letzten Spuren ausgewertet und die Vernehmungen abgeschlossen sind, dürfte noch einige Zeit vergehen. Für die rund 30 säumigen Schließfachbesitzer gilt nun: Sie müssen sich den Ermittlern stellen – ob sie wollen oder nicht.



