42-Jähriger stirbt bei Polizeieinsatz in Bologna: Video zeigt Hilferufe
42-Jähriger stirbt bei Polizeieinsatz in Bologna

In der norditalienischen Universitätsstadt Bologna ist ein 42-jähriger Mann marokkanischer Herkunft bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen. Nach Augenzeugenberichten starb der Mann, nachdem sich zwei Polizisten längere Zeit auf ihn gesetzt hatten, während er am Boden lag. Die Tageszeitung „La Repubblica“ veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie der Mann mehrfach um Hilfe ruft, ohne dass die Beamten von ihm ablassen. Später gab er keine Lebenszeichen mehr von sich.

Hintergrund des Einsatzes

Die Polizei war am späten Vormittag von Nachbarn in den Stadtteil Pilastro gerufen worden, nachdem der Mann einen Wutanfall bekommen haben soll. Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa soll er gegen den Streifenwagen geschlagen haben. Daraufhin setzten die Beamten Pfefferspray gegen ihn ein und legten ihm Handschellen an. Auf dem Video ist zu hören, wie der Mann am Boden ruft: „Aiuto. Basta, basta!“ („Hilfe! Genug, genug!“) Trotzdem ließen die Polizisten in Uniform nicht von ihm ab. Ein dritter Mann in Zivil hielt ihn an den Knöcheln fest. Zwei Rettungssanitäter waren ebenfalls zu sehen, griffen jedoch nicht ein. Das Video wurde aus einem Fenster aufgenommen, offenbar von einem Nachbarn.

Ermittlungen und Obduktion

Eine Obduktion soll nun die Todesursache klären. Dabei geht es auch um die Frage, ob der Mann möglicherweise Vorerkrankungen hatte. Zudem wurde die Körperkamera eines der beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Die Behörden versprachen vollständige Aufklärung. Aus dem Innenministerium in Rom hieß es, man werde „völlige Transparenz“ walten lassen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Reaktionen und politische Spannungen

Der Fall sorgt in Italien für viele Schlagzeilen. Vielfach gibt es Kritik am Vorgehen der Polizei, auch aus der linken Opposition. Aus dem Lager der Rechtsregierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni wurden die Beamten verteidigt. In einer Erklärung der Regierungspartei Lega hieß es, sie hätten ihre „Dienstpflicht“ getan. Nach Informationen von Ansa lebte der aus Marokko stammende Mann bereits seit seinem siebten Lebensjahr in Italien und teilte sich eine Wohnung mit seinem Bruder. In dem Stadtteil herrschte nach dem Tod eine angespannte Stimmung.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration