Ein ehemaliger Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie steht von Dienstag (9.30 Uhr) an in Duisburg vor Gericht, weil er mehrere seiner minderjährigen Patientinnen missbraucht haben soll. Der Psychiater soll gezielt das Vertrauen ausgenutzt haben, das seine jungen Patientinnen im Zuge der Gesprächstherapien zu ihm aufgebaut haben. Die Staatsanwaltschaft listet in ihrer Anklage insgesamt 97 Taten auf. Bei vier Jugendlichen soll es zu sexuellen Handlungen gekommen sein.
Vergewaltigung und jugendpornografisches Material
In einem Fall soll er eine Jugendliche vergewaltigt haben. Auf dem Handy des heute 60-Jährigen fanden die Ermittler nach früheren Angaben außerdem eine jugendpornografische Aufnahme, die eine seiner Patientinnen zeigt. Die Anklage geht davon aus, dass sich die Taten über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren ereignet haben.
Untersuchungshaft nach Kontaktaufnahme mit Opfer
Obwohl die Ermittlungen schon länger liefen, kam der Mann erst im vergangenen Oktober in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte damals mitgeteilt, der Mediziner habe Kontakt zu mindestens einer der Geschädigten aufgenommen und versucht, sie zu beeinflussen. Der Prozess findet vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts statt. Sie ist zuständig für Straftaten von Erwachsenen gegen Kinder und Jugendliche – unter anderem Sexualdelikte, Missbrauch oder schwere Gewaltverbrechen. Bei Prozessen vor einer Jugendschutzkammer sollen die Interessen von minderjährigen Opfern oder Zeugen besonders geschützt werden. Dazu wird häufig auch die Öffentlichkeit von Teilen des Prozesses ausgeschlossen.



