Die Absenderin einer knapp 70 Jahre alten Flaschenpost aus dem Rhein ist gefunden worden. Der Landschaftsgärtner Jan Zimmer entdeckte die alte Sektflasche vor einer Woche bei Bauarbeiten in Oberwesel in seiner Baggerschaufel. Die Verfasserin sei eine heute 90 Jahre alte Frau, die inzwischen in der Eifel lebe, bestätigte Stadtbürgermeister Jan Zimmer (CDU). Sie war damals Schiffsköchin auf der „Drachenfels“, einem Schiff, das zwischen Koblenz und Mainz pendelte. Dies passt zu der Nachricht in der Flasche: Sie war auf die Rückseite einer Schiffsspeisekarte von 1958 geschrieben worden.
Fund bei Bauarbeiten
Der Landschaftsgärtner entdeckte die Flasche während der Erdarbeiten an einem Rheinuferabschnitt bei Oberwesel. Die Flasche war verschlossen und enthielt eine zweiseitige Nachricht: Eine Seite war die Speisekarte des Schiffs, die andere Handschrift der Frau, die sich Brieffreunde wünschte. Die Nachricht war auf Deutsch verfasst, wie aus dem Fundprotokoll hervorgeht. Die Flasche lag jahrzehntelang unentdeckt in der Erde, bis sie nun wieder auftauchte.
Detektivarbeit zur Identifizierung
Um das Rätsel um die Identität der Absenderin zu lösen, wurde Detektivarbeit geleistet. Die Frau hatte zwar ihre Adresse notiert, doch in den vergangenen fast 70 Jahren wurden Straßen umbenannt, Orte eingemeindet und Nachnamen geändert, wie Zimmer erklärte. Unterstützung bekam er von einem Einwohnermeldeamt. Schließlich meldete sich die Tochter der Verfasserin bei ihm. „Ich bin total überrascht, dass ich da tatsächlich jemanden gefunden habe“, sagte der Bürgermeister. Zuerst hatte die „Rhein-Zeitung“ über die erfolgreiche Suche berichtet.
Die Absenderin erinnert sich nicht
Die Absenderin selbst erinnere sich nicht mehr an diese spezielle Botschaft. „Offenbar hat man früher öfter mal Flaschenpost reingeworfen“, so Zimmer. Mit einer Antwort habe die Schiffsköchin wohl nicht gerechnet, als sie die Flasche damals über Bord warf. Die heute 90-Jährige lebt in der Eifel und zeigte sich laut Zimmer überrascht, dass ihre Nachricht nach so langer Zeit gefunden wurde.
Verbleib der Flaschenpost
Der Brief ist nun doch angekommen – wenn auch mit Verspätung. Er werde wahrscheinlich im Stadtmuseum ausgestellt, vielleicht aber auch direkt am Rheinufer, falls dort bei den Umbauarbeiten ein geeigneter Platz gefunden werde, sagte Zimmer. Die Flasche selbst soll inklusive der Nachricht erhalten bleiben. Der Fund hat in der Region für Aufsehen gesorgt und zeigt, wie unerwartet historische Funde im Alltag auftauchen können.



