Prozess in Hannover: Arzt soll Patienten mit Medikamenten getötet haben
Arzt soll Patienten mit Medikamenten getötet haben

Die Hauptverhandlung gegen einen 49-jährigen Arzt der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) beginnt am Freitag um 9.00 Uhr vor dem Landgericht Hannover. Der Mediziner ist wegen Mordes und versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, zwei schwer kranke Patienten mit Medikamenten getötet und einen weiteren Tötungsversuch unternommen zu haben. Der Arzt befindet sich in Untersuchungshaft. Seine Verteidigung hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Vorwürfe im Detail: Drei Taten zwischen 2019 und 2025

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover sollen sich die Taten im Mai 2019, im Juni 2020 und im März 2025 ereignet haben. Im ersten Fall war der Angeklagte als Notarzt im Einsatz. Er wurde zu einer schwer kranken, älteren Frau in eine Demenz-Wohngemeinschaft gerufen. Anstatt sie weiterzubehandeln oder in ein Krankenhaus einzuweisen, soll er versucht haben, sie mit Medikamenten zu töten. Die Frau schlief jedoch lediglich ein. Daraufhin soll er ihr drei weitere Ampullen des starken Schmerzmittels Fentanyl verabreicht haben. Die Frau starb erst in der darauffolgenden Nacht.

In den beiden anderen Fällen waren Patienten betroffen, die auf einer Station der MHH behandelt wurden. Der Arzt soll die Therapien dieser schwer kranken Patienten abgebrochen und sie mit Medikamenten getötet haben – nach Gerichtsangaben gegen ihren ausdrücklichen Willen und trotz des von Angehörigen erklärten Wunsches nach Weiterbehandlung.

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Verteidigung: Mandant bestreitet die Anschuldigungen

Die Verteidiger des Arztes teilten bereits im März mit, ihr Mandant bestreite die Anschuldigungen entschieden. Für sie steht die Frage nach den Voraussetzungen und Grenzen palliativer Sterbebegleitung im Mittelpunkt des Verfahrens. Ihr Mandant habe sich bei der Behandlung von Patienten stets innerhalb des rechtlichen Rahmens einer zulässigen indirekten Sterbehilfe bewegt.

Reaktion der MHH: Interne Untersuchungen und Strafanzeige

Die Medizinische Hochschule Hannover teilte im März mit, sie nehme die Situation sehr ernst. Für sie habe die Sorge für die Patientinnen und Patienten und deren medizinische Behandlung höchste Priorität. Bereits vor den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien interne Untersuchungen eingeleitet und der Mitarbeiter freigestellt worden. Nachdem diese Untersuchungen erste unbestätigte Hinweise auf einen möglichen Rechtsbruch ergeben hätten, habe die MHH den Fall bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

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