Die Zahl der registrierten Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs in Deutschland hat im Jahr 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Laut dem Bundeslagebild „Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“ des Bundeskriminalamts (BKA) wurden 17.126 Fälle erfasst – ein Anstieg um 772 Fälle im Vergleich zum Vorjahr und rund 1.600 mehr als 2021. Das geht aus dem Bericht hervor, den Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), BKA-Chef Holger Münch und die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, in Berlin vorlegten.
Mädchen deutlich häufiger betroffen
Insgesamt wurden 18.736 Opfer im Zusammenhang mit sexuellem Kindesmissbrauch registriert, ein Anstieg um 3,6 Prozent. Davon waren 13.870 Mädchen und 4.866 Jungen. Ein Kind kann in der Statistik mehrfach erfasst werden, wenn es wiederholt Opfer wurde. Bei den Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) stieg die Zahl der Fälle von 1.191 auf 1.239. Die Ermittlungen ergaben, dass in mehr als der Hälfte der Fälle zwischen Opfern und Tatverdächtigen eine Vorbeziehung bestand.
Anstieg bei Tatverdächtigen und jugendpornografischen Inhalten
Die Zahl der Tatverdächtigen stieg von 12.368 auf 12.823. Es handele sich hauptsächlich um männliche, alleinhandelnde Tatverdächtige, so das BKA. Bei Fällen mit jugendpornografischen Inhalten verzeichnet das Lagebild einen deutlichen Zuwachs um 19,9 Prozent. Dabei könnte die Nutzung Künstlicher Intelligenz eine Rolle spielen. Auch das Versenden eigener oder fremder jugendpornografischer Dateien im Internet nehme generell zu. Gut die Hälfte der Tatverdächtigen in diesem Bereich war selbst minderjährig.
Rückgang bei Kinderpornografie – auch wegen Strafrechtsänderung
Einen Rückgang gab es dagegen bei Fällen mit kinderpornografischen Inhalten. Auch hier waren die meisten Tatverdächtigen minderjährig. Ursache für den Rückgang sei auch eine Strafrechtsänderung, hieß es. Seit Juni 2024 kann auf eine Strafverfolgung verzichtet werden, wenn die Schuld als gering angesehen wird – zum Beispiel, wenn Eltern oder Lehrkräfte pornografische Inhalte zur Warnung oder als Beitrag zur Tataufklärung weiterleiten.
Präventionskampagnen könnten Hellfeld vergrößern
Die Statistik bildet nur das sogenannte Hellfeld ab – also der Polizei bekannt gewordene und bearbeitete Straftaten. Die Zahlen sind daher auch vom Anzeigeverhalten beeinflusst. Präventionskampagnen könnten dazu beigetragen haben, dass mehr Fälle zur Anzeige gebracht wurden. „Neben dem in diesem Lagebild dargestellten polizeilichen Hellfeld ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen“, heißt es in dem Bericht. Das Bundeslagebild basiert auf Daten der polizeilichen Kriminalstatistik und legt den Fokus auf sexuellen Missbrauch, Missbrauchsdarstellungen und sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen.



