Öffentlichkeit im Block-Prozess ausgeschlossen
Das Landgericht Hamburg hat am 64. Verhandlungstag im Entführungsprozess um die Block-Kinder die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Grund seien die schutzbedürftigen Interessen der Kinder und Nebenkläger, erklärte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt. Die Gefahr bestünde, dass durch die Veröffentlichung von Details aus einem jugendpsychiatrischen Gutachten die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen verletzt würden. Der Ausschluss gilt für mehrere Tage.
Briefübergabe sorgt für Eklat
Für Aufregung im Gerichtssaal sorgte die Reaktion auf einen Brief, den die Angeklagte Christina Block nach Angaben der Richterin eigenmächtig an die Sachverständige Mareike Schüler-Springorum übergeben hatte. Dies sei außerhalb der Hauptverhandlung geschehen. „Das ist der Versuch einer Verdunklungshandlung“, stellte Hildebrandt klar. „Das sind Unterlagen, die am Gericht vorbei der Gutachterin übergeben wurden“, zitiert die „Hamburger Morgenpost“. Die Strafkammer werde den Vorgang nun prüfen.
Verteidigung spricht von Versehen
Christina Blocks Verteidiger Ingo Bott bezeichnete den Vorgang als bedauerliches Versehen seiner Mandantin. „Der Warnschuss ist angekommen“, sagte er laut „MoPo“. Staatsanwalt Marvin Steinberg bewertete die Aktion als „Versuchshandlung“, stellte aber klar, dass seine Behörde nicht so weit gehen werde, einen Haftbefehl zu beantragen. Ein solcher wäre nach Überzeugung der Anklage nicht verhältnismäßig.
Inhalt des Briefes: Sexualsphäre des Ex-Mannes
Laut Nebenklägervertreter Philip von der Meden enthält der auf Rumänisch verfasste Brief Details zur Sexualsphäre seines Mandanten Stephan Hensel, dem Ex-Mann von Christina Block und Vater der Kinder. Warum der Brief ausgerechnet auf Rumänisch verfasst wurde, blieb unklar. Hensel ist der geschiedene Ehemann der Angeklagten.
Der Fall: Entführung der Kinder aus Dänemark
Die Hamburger Unternehmerin Christina Block, Tochter des „Block House“-Gründers Eugen Block, steht seit über einem Jahr vor Gericht. Die Anklage wirft ihr vor, im Zuge eines erbitterten Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex-Mann eine israelische Sicherheitsfirma beauftragt zu haben, die beiden jüngsten Kinder – damals zehn und 13 Jahre alt – vom Wohnort des Vaters in Dänemark zu entführen. Block weist die Vorwürfe zurück. Neben ihr sind sechs weitere Personen angeklagt.
Prozess zieht sich hin
Der Prozess läuft bereits seit 64 Verhandlungstagen. Weitere Termine sind bis Ende des Jahres anberaumt. Der Fall hat bundesweit Aufsehen erregt, nicht zuletzt wegen der Prominenz der beteiligten Familie und der ungewöhnlichen Methoden der angeblichen Kindesentführung.



