Rund sechs Monate nach den tödlichen Schüssen auf einen 44-Jährigen in Berlin-Weißensee hat vor dem Landgericht Berlin der Prozess gegen drei Brüder begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern vor, den siebenfachen Vater aus Blutrache ermordet zu haben. Die Angeklagten, die wie das Opfer türkische Wurzeln haben, schwiegen zu Prozessbeginn zu den Vorwürfen.
Blutrache als Motiv: Vergeltung für getöteten Cousin
Nach Überzeugung der Anklage war die Tat eine Vergeltungsaktion für den Tod eines Cousins der Brüder. Dieser war im Juli 2025 bei einer Massenschlägerei in Berlin-Gesundbrunnen tödlich verletzt worden. Bei der Auseinandersetzung zwischen 40 und 60 Menschen vor einem Lokal hatte ein Neffe des später erschossenen 44-Jährigen zum Messer gegriffen und den Cousin tödlich verletzt. Da Notwehr nicht ausgeschlossen werden konnte, wurde der 25-jährige Neffe nicht inhaftiert, wie es am Rande des Prozesses hieß.
Spähtrupp und Schüsse aus dem Auto
Den Ermittlungen zufolge wurde der 44-Jährige über einen längeren Zeitraum ausgespäht. Am Morgen des 31. Januar 2026 passten die beiden älteren Brüder, 25 und 32 Jahre alt, das Opfer in der Nähe seines Wohnhauses ab. Als der Familienvater in seinen Transporter stieg, eröffneten die Angreifer aus einem Auto heraus das Feuer. „Zwischen 14 und 18 Projektile drangen durch die Fahrertür hindurch“, heißt es in der Anklageschrift. Der Mann starb noch auf dem Fahrersitz.
Brandstiftung zur Spurenvernichtung
Nach der Tat sollen zwei der Angeklagten das mutmaßliche Fluchtauto in Berlin-Marzahn angezündet haben, um Beweise zu vernichten. Dem 32-Jährigen wird neben dem gemeinschaftlichen Mord auch Brandstiftung vorgeworfen, die er gemeinsam mit seinem 23-jährigen Bruder begangen haben soll. Die Anklage geht davon aus, dass die Tat bereits spätestens drei Monate nach dem Tod des Cousins geplant wurde. Auch andere, bisher unbekannte Mittäter aus dem Familienkreis sollen an der Planung beteiligt gewesen sein.
Prozess bis November 2026
Das Landgericht Berlin hat bislang 18 weitere Verhandlungstage bis November 2026 terminiert. Die drei Angeklagten stammen aus der weit verzweigten Familie aus dem Südosten der Türkei. Das Urteil wird mit Spannung erwartet, da der Fall exemplarisch für die Problematik von Blutrache-Delikten in Deutschland steht.



