Brandanschlag im Jugendamt Finsterwalde: Mann attackiert Mitarbeiterin
Brandanschlag im Jugendamt Finsterwalde

Angriff im Jugendamt Finsterwalde: Mann bedroht Mitarbeiterin und legt Feuer

Ein 35-jähriger Mann hat am Morgen des 26. Juli 2024 das Büro einer Jugendamts-Mitarbeiterin in Finsterwalde im Süden Brandenburgs betreten, sie bedroht, beleidigt und schließlich ein Feuer gelegt. Vier Menschen wurden mit Verdacht auf eine Rauchvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes, wie Polizeisprecher Sascha Erler mitteilte. Der Tatverdächtige, ein 35-jähriger Deutscher, wurde außerhalb des Gebäudes gefasst. Kriminaltechniker sicherten Spuren, andere Beamte vernahmen Zeugen.

Hintergründe der Tat noch unklar

Nach dpa-Informationen wollte der Verdächtige mit einer Mitarbeiterin der Behörde über einen Fall sprechen. Laut Landkreis handelt es sich um das Jugendamt. Die Polizei bezeichnete den Mann als „einen Kunden“. Die Hintergründe des Streits seien Teil der Ermittlungen; weitere Auskünfte gebe es zunächst nicht. Es sei um Jugendbelange gegangen, hieß es lediglich aus dem Landkreis. Ein Sprecher der Verwaltung sagte nach ersten Erkenntnissen, der Mann habe wohl einen Brandsatz dabeigehabt. Flüssigkeit sei in Flammen aufgegangen. „Es hat eine ordentliche Rauchentwicklung gegeben“, so der Polizeisprecher. Er wollte sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht dazu äußern, wie der Brand verursacht wurde. Auch wo der Verdächtige wohnte, sagte die Polizei bislang nicht.

Reaktionen und Folgen

„Kein Grund, keine Entscheidung rechtfertigt so einen Angriff auf Menschenleben“, hieß es aus dem Landratsamt Elbe-Elster. „Ein Ereignis wie dieses trifft unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die gesamte Kreisverwaltung tief“, teilte Dezernent und Kämmerer Roland Neumann mit, der zugleich stellvertretender Landrat des Kreises ist. Das Amt wurde evakuiert und bleibt vorerst geschlossen. Die Feuerwehr betreute den Angaben zufolge 20 bis 30 Menschen. Die Landkreisverwaltung sprach von fünf verletzten Personen. Auch die Notfallseelsorge kam zum Einsatz. Der Dienstbetrieb am Standort Finsterwalde wurde vollständig eingestellt. Wann das Gebäude wieder für den Besucherverkehr geöffnet werden kann, hänge von den weiteren Untersuchungen und der Schadensbewertung ab, teilte die Verwaltung weiter mit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen psychologisch betreut werden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Angriffe auf Behörden in Deutschland

In Deutschland gibt es keine bundesweite Statistik zu gewalttätigen Übergriffen gegen Beschäftigte des gesamten öffentlichen Dienstes. Ausnahmen sind einzelne Gruppen wie die Polizei. Studien legen nahe, dass daneben vor allem Beschäftigte der Agentur für Arbeit in erheblichem Maße Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen und - seltener - körperlichen Angriffen ausgesetzt sind. In einigen Fällen war in der Vergangenheit wie in Finsterwalde Feuer im Spiel. In einem Finanzamt in Hannover wurde 2018 ein selbstgebauter, funktionstüchtiger Brandsatz entdeckt. Das Gebäude wurde geräumt, es gab keine Verletzten. Im selben Jahr übergoss ein mutmaßlich psychisch kranker Mann in Hamburg zwei städtische Mitarbeiter und einen Betreuer mit einer brennbaren Flüssigkeit, weil sie ihn in ein psychiatrisches Krankenhaus bringen wollten. Einer der Mitarbeiter starb.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration