Nach der Ermordung der elfjährigen Lyhanna durch einen Sexualstraftäter hat die französische Justiz innerhalb von fünf Wochen 675 mutmaßliche Sexualstraftäter festgenommen. Justizminister Gérald Darmanin teilte in Paris mit, dass rund 1000 mutmaßliche Missbrauchsfälle als vorrangig eingestuft wurden. Die Festnahmen erfolgten im Zuge einer Überprüfung von knapp 70.000 Fällen, die der Minister nach dem gewaltsamen Tod des Mädchens und scharfer Kritik am Vorgehen der Justiz bei Missbrauchsverdacht angeordnet hatte.
Hintergrund: Tod einer Elfjährigen löst Protestwelle aus
Der Fall der elfjährigen Lyhanna hatte in Frankreich eine Protestwelle gegen die Justiz ausgelöst. Der mutmaßliche Täter, der 41-jährige Jérôme B., war mehrfach wegen Vergewaltigung Minderjähriger angezeigt worden, blieb jedoch monatelang von Polizei und Justiz unbehelligt. Er sitzt derzeit wegen Entführung in Untersuchungshaft. Nachdem DNA-Spuren von ihm im Intimbereich des getöteten Mädchens gefunden wurden, wird erwartet, dass die Ermittlungen auf Vergewaltigung und Mord ausgeweitet werden. Bislang verweigerte er die Aussage dazu.
Vorrangig eingestufte Fälle und Vorermittlungen
Darmanin erklärte, ein Fall werde als vorrangig eingestuft, wenn der mutmaßliche Täter identifiziert sei, er der Justiz bereits bekannt sei und das Opfer minderjährig sei. Die Durchsicht der anliegenden Fälle habe zudem seit Anfang Juni zur Aufnahme von 1300 Vorermittlungen geführt, teilte das Justizministerium mit. Dies sei viermal so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Kinderschutzgesetz in der Nationalversammlung
Die Bekanntgabe der Zahlen fällt mit der Debatte über ein geplantes Kinderschutzgesetz in der Nationalversammlung zusammen. Dieses sieht unter anderem vor, die Unterbringung von Kindern in Heimen zu vermeiden und sie eher in Pflegefamilien zu geben. Zudem sollen die Kontrollen für Lehrer und Betreuer verschärft werden.



