Vor dem Amtsgericht Nördlingen hat der Prozess gegen den suspendierten JVA-Beamten Simon R. begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 38-Jährigen vor, Handys und Drogen in die Justizvollzugsanstalt Kaisheim geschmuggelt und damit insgesamt 58.800 Euro verdient zu haben. Die Anklagepunkte umfassen Bestechlichkeit, Drogenschmuggel und Drogenhandel.
Der Fall der Liebeswärterin und die Rolle von Simon R.
Simon R. war Beamter in der JVA Kaisheim, die bereits mehrfach in den Schlagzeilen stand. 2023 wurde eine frühere Wärterin verurteilt, weil sie ein Verhältnis mit einem Häftling hatte und Handys in die Anstalt schmuggelte. R. gab an, dass er es war, der diesen Fall gemeldet hatte. Trotzdem soll er sich nach ihrer Verurteilung in Sicherheit gewähnt und später selbst Schmuggel begangen haben.
Die Vorwürfe im Detail
Laut Anklage soll R. sechs Handys in die JVA geschleust und dafür 7500 Euro erhalten haben. Zudem soll er synthetische Cannabinoide beschafft und einem Häftling rund 50 Gramm übergeben haben. Der Häftling soll damit im Gefängnis gedealt und etwa 37.800 Euro verdient haben, wovon 11.300 Euro an R. geflossen sein sollen. Privater Drogenhandel außerhalb der JVA soll R. knapp 40.000 Euro Gewinn eingebracht haben.
R.s Verteidigung: Erpressung und Nebengewerbe
Im Prozess bestritt R. die Vorwürfe weitgehend. Er behauptete, von dem Insassen erpresst worden zu sein: „Er drohte, dass ich meine Familie nie wiedersehen würde, wenn ich nicht mitmache.“ Zugleich erklärte er, die angeklagten Schmuggelhandlungen nicht begangen zu haben. Das bei ihm sichergestellte Bargeld stamme aus seinem landwirtschaftlichen Nebengewerbe.
Belastende Chats und weitere Vorwürfe
Das Gericht verlas Chats, in denen der Insasse einer Komplizin schrieb: „Kannst Du dem Dicken etwas mitgeben? Zwei kleine und ein großes.“ Gemeint soll Simon R. gewesen sein. Nach Darstellung der Anklage ging es um zwei Mini-Handys und ein Smartphone. Der Häftling soll noch als Zeuge gehört werden. Mobiltelefone sind in Gefängnissen verboten, da Häftlinge damit Straftaten begehen können. In Kaisheim war laut einem Häftling „der ganze Knast voll mit Handys. Smartphones kosten bis 1500 Euro“. Der Zeuge deutete an, dass R. nicht der einzige Beamte sei, der schmuggle.
Prozessfortsetzung und neue Anklage
Der Prozess wird fortgesetzt. R. sieht sich mit weiteren Vorwürfen konfrontiert: Nach BILD-Informationen liegt eine weitere Anklage vor, die im aktuellen Prozess beigezogen wird. Hier geht es um den mutmaßlichen Schmuggel von rund 100 Handys. Simon R. sagte zu den Drogenvorwürfen: „Ich habe noch nie Drogen genommen. Ich wüsste nicht einmal, wo ich die herbekommen soll. Außer vielleicht in der JVA.“



