Seit Dienstagmorgen 6 Uhr ist das markante Hochhaus „Weißer Riese“ in Kiel von der Polizei umstellt. Rund 200 Beamte sind im Einsatz, um eine DNA-Reihenuntersuchung in dem 25 Stockwerke hohen Gebäude durchzuführen. Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt wegen versuchter Tötung, nachdem in der Nacht auf den 2. Juli ein Pflasterstein aus dem Gebäude auf einen Streifenwagen geworfen wurde. Der Stein durchschlug die Frontscheibe und verletzte eine 25-jährige Polizistin an der Hand und am Sprunggelenk. Die Frau ist nicht mehr dienstfähig. Ihr 59-jähriger Kollege blieb unverletzt.
Hintergrund der Ermittlungen
An dem Pflasterstein konnten DNA-Spuren sichergestellt werden. Das Amtsgericht Kiel ordnete daher an, von allen Bewohnern des „Weißen Riesen“ ab 14 Jahren eine DNA-Probe zu nehmen. Rund 250 Personen wohnen in dem Gebäude. Eine ausgesetzte Belohnung von 1000 Euro habe bislang keine Hinweise auf den Täter erbracht, berichtete die „Bild“-Zeitung. Der Einsatz werde voraussichtlich bis zum Vormittag andauern, sagte eine Polizeisprecherin.
Der „Weiße Riese“ – ein bekanntes Problemhochhaus
Der „Weiße Riese“ ist in Kiel nicht nur wegen seiner Höhe von 85 Metern stadtbekannt. Das höchste Wohnhaus der Stadt wurde 1968 begonnen und 1971 bezogen. Seit 2014 gehört es dem börsennotierten Konzern Grand City Properties. Heute leben dort Menschen aus über 60 Nationen. Das Zusammenleben gilt als konfliktträchtig: Regelmäßig kommt es zu Polizeieinsätzen wegen Ruhestörung, häuslicher Gewalt oder Drogendelikten. Für die Einsatzkräfte ist das Gebäude ein bekannter Schwerpunkt, was das Image des „Weißen Riesen“ spürbar prägt.
Rechtliche Einordnung und weiteres Vorgehen
Die Staatsanwaltschaft Kiel wertet den Steinwurf als versuchte Tötung. Die DNA-Reihenuntersuchung ist ein ungewöhnlich massiver Schritt, der zeigt, wie ernst die Behörden den Vorfall nehmen. Die Beamten hoffen, durch die Proben den Täter zu identifizieren. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe und Hinweise. Der Einsatz ist auf den Vormittag begrenzt, doch die Ermittlungen werden fortgesetzt, bis der Verantwortliche gefunden ist.



