Der deutsche Astronaut Matthias Maurer (56) hat im Rahmen seiner Ausbildung für Weltraummissionen auch gelernt, Zähne zu ziehen. Bei einem Besuch im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln berichtete Maurer gemeinsam mit Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) über das medizinische Training, das Astronauten auf Notfälle im All vorbereitet. „Als ESA-Astronaut macht man ein medizinisches Feldtraining. Wir gehen in eine Klinik und durchlaufen verschiedene Stationen“, sagte Maurer. Dazu gehören das Nähen von Wunden, das Legen eines Katheters bei Harnverhalt sowie zahnärztliche Behandlungen.
Zahnziehen unter Aufsicht: „Ich habe mehr gelitten als die Patienten“
„Teil der Ausbildung war dann auch bei mir, dass ich einen richtigen Zahn ziehen durfte. Also ein fauler Zahn war es, kein gesunder Zahn“, erklärte Maurer. Dies habe er bisher bei zwei älteren Patienten geübt. Einer von ihnen hatte nur noch einen Zahn. Die Eingriffe fanden unter strenger ärztlicher Aufsicht statt, und die Patienten wurden vorab informiert und gaben ihre Einwilligung. „Wahrscheinlich habe ich sogar mehr gelitten, weil es doch eine unangenehme Sache ist, jemandem einen Zahn zu ziehen“, gestand der Astronaut.
Hoffnung auf Mondmission: „Große Chance, zum Mond zu fliegen“
Maurer zeigte sich optimistisch, an einer der „Artemis“-Mondmissionen der NASA teilzunehmen. „Ich denke, ich habe eine ganz große Chance, zum Mond zu fliegen, vielleicht auch auf dem Mond zu landen, den Mond zu erkunden. Das ist ein ganz großer Traum von mir“, sagte er. Scherzhaft meinte er, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Deutscher zum Mond fliege, sei fast größer als ein fünfter WM-Titel für die deutsche Nationalmannschaft. Nach der Mondumrundung von „Artemis 2“ im Frühjahr 2026 sollen 2027 mit „Artemis 3“ Andockmanöver mit Mondlandefähren erprobt werden, an denen der Italiener Luca Parmitano als europäischer Raumfahrer teilnimmt. Für 2028 sind mit „Artemis 4“ und „Artemis 5“ zwei Mondmissionen geplant, bei denen erstmals wieder Menschen auf dem Mond landen sollen.
Entscheidung über europäische Astronauten noch offen
Für Europa könnten Maurer oder sein Kollege Alexander Gerst an Bord sein. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen und soll vom Chef der europäischen Raumfahrtbehörde ESA, Josef Aschbacher, getroffen werden, wie dieser im Juni auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) erklärte. Sowohl Gerst (flog 2014 und 2018 zur ISS) als auch Maurer (2021) sind erfahrene Astronauten.



