Razzia in NRW-Justizvollzugsanstalt
In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Willich 1 in Nordrhein-Westfalen gibt es neue Korruptionsermittlungen. Wie die Staatsanwaltschaft Krefeld der dpa bestätigte, fanden bereits am 13. Juli Durchsuchungen statt. Die Ermittlungen richten sich gegen zwei Vollzugsbeamte – unter anderem wegen des Verdachts des Drogenhandels und der Bestechlichkeit, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ zuerst berichtete.
Die sichergestellten Beweismittel werden derzeit ausgewertet, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Weitere Details zu den Vorwürfen nannte die Behörde zunächst nicht. Die Razzia war bis zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich bekannt geworden.
Hintergrund: Häufung von Korruptionsfällen in NRW-Gefängnissen
Der Fall in Willich reiht sich in eine Serie von Korruptionsermittlungen in nordrhein-westfälischen Justizvollzugsanstalten ein. Bereits zuvor waren Razzien in den Gefängnissen Euskirchen und Rheinbach bekannt geworden, bei denen es ebenfalls um mutmaßlich korrupte Bedienstete ging. Zudem wurde die JVA Siegburg vor wenigen Tagen durchsucht, nachdem Hinweise auf eine angeblich geplante Meuterei eingegangen waren. Der Tippgeber hatte dort ebenfalls von korrupten Bediensteten gesprochen, allerdings ohne Namen zu nennen.
FDP wirft Regierung Vertuschung vor
Obwohl die Vorfälle in Euskirchen, Rheinbach und Siegburg den Rechtsausschuss des Landtags in mehreren Sitzungen beschäftigt hatten, wurden die Abgeordneten nicht über die Ermittlungen in Willich informiert. Der FDP-Abgeordnete Werner Pfeil sprach gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vom „Verdacht der Vertuschung“. Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) hatte die laufenden Ermittlungen in Willich bislang nicht benannt. Ein Sprecher des Ministeriums erklärte, man sei aktuell in der Klärung der Angelegenheit.
Brandbrief von Bediensteten
Bereits im Juni war ein Brandbrief von Bediensteten der JVA Willich 1 an mehrere Medien gegangen. Darin thematisierten sie unter anderem die hohe Arbeitsbelastung und angebliche anstaltsinterne Verfehlungen. Der Brief wurde später auch im Rechtsausschuss des Landtags behandelt. Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem Brandbrief und den nun bekannt gewordenen Ermittlungen bleibt unklar.
Die Staatsanwaltschaft Krefeld ermittelt weiter. Ob die beiden beschuldigten Beamten vom Dienst suspendiert wurden, ist nicht bekannt. Die JVA Willich 1 ist eine Justizvollzugsanstalt des geschlossenen Vollzugs für Männer mit einer Kapazität von rund 600 Haftplätzen.



