Im Mordprozess nach dem tödlichen Auto-Anschlag auf eine Verdi-Demonstration in München steht der entscheidende Abschnitt bevor: Die Bundesanwaltschaft hält voraussichtlich am heutigen Dienstag (9.30 Uhr) ihr Plädoyer. Anschließend werden die Vertreter der Nebenklage sowie gegebenenfalls die Nebenkläger selbst ihre Schlussvorträge halten. Der Schlussvortrag der Verteidigung und das letzte Wort des Angeklagten sind für den darauffolgenden Tag geplant. Das Urteil soll nach derzeitigem Stand am 6. August verkündet werden.
Die Anklage: Doppelmord und 44-facher Mordversuch
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Angeklagten, einem Mittzwanziger, unter anderem zweifachen Mord und 44-fachen Mordversuch vor. Die Ermittler gehen von einem islamistisch-terroristischen Motiv aus. Der Mann war am 13. Februar 2025 mit einem Kleinwagen in eine friedliche Demonstration der Gewerkschaft Verdi gerast. Bei dem Anschlag erfasste das Fahrzeug ein zweijähriges Mädchen in einem Kinderwagen sowie dessen Mutter. Beide wurden durch die Luft geschleudert und erlitten so schwere Verletzungen, dass sie wenige Tage später starben. Mehr als 40 weitere Menschen wurden verletzt, einige von ihnen lebensgefährlich.
Die Opfer und die Folgen
Die traumatischen Ereignisse vom Februar 2025 haben tiefe Spuren hinterlassen. Viele der Betroffenen leiden bis heute unter körperlichen und psychischen Folgen. Einige Opfer konnten ihre berufliche Tätigkeit noch immer nicht wieder aufnehmen. Die Angehörigen der getöteten Mutter und des Kleinkindes müssen mit einem unermesslichen Verlust leben. Der Prozess, der vor dem Oberlandesgericht München stattfindet, hat das Ziel, die Tat umfassend aufzuklären und gerecht zu bestrafen.
Der Prozessverlauf und die Beweisaufnahme
In den vergangenen Monaten hat das Gericht eine Vielzahl von Zeugen gehört, darunter Überlebende des Anschlags, Rettungskräfte und Ermittler. Sachverständige haben Gutachten zur psychischen Verfassung des Angeklagten und zu den Umständen der Tat vorgelegt. Die Verteidigung hatte in der Vergangenheit auf eine verminderte Schuldfähigkeit plädiert, während die Bundesanwaltschaft von einer vollständigen Schuldfähigkeit ausgeht. Die nun anstehenden Plädoyers werden die jeweiligen Standpunkte zusammenfassen und die Beweise abschließend würdigen.
Bedeutung des Urteils
Der Fall hat bundesweit für Aufsehen gesorgt und wirft grundlegende Fragen zum Umgang mit islamistischem Terrorismus und zum Schutz von Demonstrationen auf. Ein Urteil wird am 6. August erwartet. Sollte der Angeklagte verurteilt werden, droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung. Der Ausgang des Prozesses wird als wichtiges Signal für die Justiz und die Gesellschaft gesehen.



